Schwule Nazis und der Rechtsruck in Gesellschaft und schwuler Szene
Man(n) sollte glauben, dass so etwas nicht möglich wäre, doch es gibt sie tatsächlich: Schwule Nazis. Und damit meine ich keine rechten Klemmschwestern, sondern gestandene Nazis, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, auch wenn ihresgleichen im Dritten Reich von den Naziverbrechern gejagt, ins KZ gesperrt und ermordet wurden.
Das Buch Schwule Nazis und der Rechtsruck in Gesellschaft und schwuler Szenevon Jörg Fischer dokumentiert das Verhältnis zwischen Rechtsextremismus und männlicher Homosexualität. Ein genauso widersprüchliches wie heikles Thema, denn Schwule waren und sind schließlich Opfer, sie gehören zu den Opfergruppen des Faschismus und von Neonazis. Doch dies ist nicht alles: Sowohl im historischen Nationalsozialismus als auch in der gegenwärtigen Neonazi-Szene findet man viele aktive Schwule, und der Hang zum Fetisch “NS-Symbole” innerhalb bestimmter Bereiche der schwulen Szene scheint nicht immer “nur” sexuell motiviert zu sein. Das alles findet nicht im luftleeren Raum statt. Auch innerhalb der schwulen Szene, insbesondere bei Medien und Verbandsfunktionären, ist nach der Phase der Entpolitisierung nunmehr ein verstärkter Rechtsruck zu beobachten, rassistische Vorurteile und Minderheitenfeindlichkeit sind auch hier anzufinden, werden teilweise von Vertretern von Teilen der schwulen Szene offen propagiert.