Joachim Bartholomae (Hrsg.): Pauls Bücher: Tagebuch einer SM-Beziehung

Bei „Pauls Bücher: Tagebuch einer SM-Beziehung“ handelt es sich um die Zusammenfassung dreier Werke, die hier erstmals von Joachim Bartholomae zusammengefasst in einem Band erschienen sind. In Form eines Tagebuchs beschreiben hier zwei Männer den Versuch, Verantwortung und Selbstaufgabe als konkrete Verhaltensweisen in Sexualität und Alltag zu verwirklichen. So leisten die beiden Männer eine Art von Pionierarbeit bei der Erkundung einer Lebensweise, die noch immer einem Tabu unterliegt, und das Tagebuch ist als Protokoll ihrer Wünsche und Probleme integraler Bestandteil dieses Versuchs.

Der erste Band dieser dreiteiligen Tagebuchreihe, die ursprünglich nicht zur Veröffentlichung angedacht war, erschien bereits 1998. In den Tagebucheinträgen spiegeln sich die sich anbahnenden und entwickelnden SM-Beziehungen zwischen Paul, einem der Protagonisten und somit Co-Autor der Werke, und seinen Partnern wider. Sowohl Paul als auch seine Partner nutzten diese Form des Schriftwechsels, um sich besser kennen zu lernen und Geschehnisse zu reflektieren.

Der Männerschwarm Verlag hat mit „Pauls Bücher: Tagebuch einer SM-Beziehung“ in dieser überarbeiteten Neuausgabe die einstigen drei Bände zusammengefasst und in gestraffter Form neu veröffentlicht.
Bestand das ursprüngliche Format aus 190 Seiten je Band, so sind alle Schilderungen in der hier vorliegender Version auf insgesamt 367 Seiten zusammengefasst. Für Interessierte an Themen wie „Schwuler Liebe“ und „Sadomasochistische Beziehungen“ bietet dieses authentische Werk profunde Einblicke in die Realität eines SM-Alltags und erlaubt dem Leser, alle Höhen und Tiefen dieser Beziehungen hautnah mitzuerleben. Die Gefühle der Protagonisten stehen dabei im Mittelpunkt, was auch durch eine stilistische Mischung aus persönlicher und intimer Tagebuchform und einem eher sachlichen und beschreibenden Stil zum Ausdruck kommt.

Axel Krämer – Grenzen der Sehnsucht. Eine schwule Heimatkunde

Der Journalist Axel Krämer unternimmt in seinem Buch „Grenzen der Sehnsucht. Eine schwule Heimatkunde“ eine Bestandsaufnahme des schwulen Alltags in Deutschland. Er besucht die großen, deutschen Städte und klopft sie auf ihr schwules Leben dort ab. Aber auch durch kleine Dörfer und in die entlegenen Gebiete Deutschlands reist Krämer auf der Suche nach dem Schwulen in der Provinz. Seine Erfahrungen und Eindrücke hält Axel Krämer in zahlreichen Interviews und Essays fest, die er in diesem Buch versammelt hat.

Natürlich führt Krämers Reise ihn nach Köln, in die angebliche schwule Hauptstadt Deutschlands. Aber ist sie das wirklich? Und was ist mit Berlin, der Stadt die auch und gerade die Schwulen magisch anzieht? Auch den auf den ersten Blick so feinen Städten Hamburg und München fühlt Axel Krämer auf den Zahn, inwieweit es sich hier als Schwuler leben lässt und was die Szene dort zu bieten hat. Doch auch im nordöstlichen Brandenburg oder in der dünn besiedelten Eifel macht sich Axel Krämer auf die Suche nach dem schwulen Alltag. So wird „Grenzen der Sehnsucht“ in vollem Maße seinem Anspruch gerecht, eine schwule Heimatkunde zu liefern.

Ob Großstadt oder Provinz: Auf allen seinen Stationen sprach Axel Krämer mit den Männern dort über ihre Wünsche und Träume, über ihre persönlichen Erfahrungen damit, was es heute bedeutet, offen schwul zu leben. In zahlreichen Essays und Interviews ist es dem Autor gelungen, ein Porträt des schwulen Deutschlands festzuhalten. Axel Krämer wurde 1966 in Nürtingen geboren; heute lebt er in Berlin. Er arbeitet als freier Autor für zahlreiche renommierte Publikationen, u.a. für die Berliner „die tageszeitung“ (taz).

André Aciman – Ruf mich bei deinem Namen

In seinem Roman „Ruf mich bei deinem Namen“ erzählt André Aciman in einer poetischen und gefühlvollen Weise die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten Elio und Oliver. Elio ist 17 Jahre alt und ein sehr gut erzogener und gebildeter Sohn eines Professors. Im Haus seiner liberalen Eltern trifft er seine erste große Liebe: Oliver. Oliver ist im Sommer für einige Wochen bei Elios Familie in deren Haus in Italien zu Gast. Der Harvard-Absolvent will hier sein Buch über Heraklit beenden. Schon bald entwickelt sich zwischen den Beiden ein Hin und Her zwischen vorsichtiger Annäherung und Distanz, zwischen Verführung und Zurückweisung. In einem intensiven und ereignisreichen Sommer zwischen Obsession und Furcht, Verlangen und Verzweiflung suchen zwei Menschen nach dem Augenblick der absoluten Erfüllung.

Mit „Ruf mich bei deinem Namen“ ist André Aciman ein wundervoller Roman gelungen, für den sich nicht nur Liebhaber der homoerotischen Literatur begeistern können. In feinsinnigen Worten und sprachmächtigen Bildern erzählt André Aciman die Erlebnisse seiner beiden Figuren, die sich erst selber ihrer schwulen Liebe nicht sicher sind. Umso großartiger und eindrucksvoller ist es für den Leser mitzuerleben, wie sich diese Liebe langsam entfaltet.

André Aciman ist 1951 in Alexandria geboren worden und studierte Komparatistik in Harvard. Als Romancier und Essayist ist er international gefeiert; gleichzeitig hat sich Aciman viel Ruhm als Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft erworben und gehört zu den führenden Proust-Experten. Zudem schreibt er für verschiedene New Yorker Zeitungen. In deutscher Sprache liegen seine autobiografischen Bücher ‘Damals in Alexandria’ sowie ‘Hauptstädte der Erinnerung’ vor. André Aciman lebt mit seiner Familie in New York.

Florian Hoffarth: Queer Dating: Eine kontrastive Untersuchung von Kontaktanzeigen in Online-Magazinen für Schwule und Lesben [Ungekürzte Ausgabe]

Die Partnersuche per Kontaktanzeigen ist unter Homosexuellen schon seit langem sehr beliebt, was aufgrund der Tatsache, zu einer gesellschaftlichen Minderheit zu gehören, nicht weiter verwunderlich ist. Mit dem Aufkommen der neuen Medien hat sich das Nutzungsverhalten von Kontaktanzeigen nochmals deutlich verändert. Doch mit welchen sprachlichen Mitteln nutzen Schwule und Lesben das Internet und welche neuen Strategien zur Konstruktion und Dekonstruktion von Identität haben sich durch die neuen Medien und die neuen Formen des Online-Dating herausgebildet? Gibt es Unterschiede in der sprachlichen Nutzung der Online-Kontaktanzeigen zwischen Schwulen und Leseben? Wo lassen sich neue Erkenntnisse für Übereinstimmungen zwischen diesen beiden Gruppen finden?

An diesen Punkten setzt Florian Hoffarths Untersuchung an: Queer Dating ist ein sprachwissenschaftlicher Vergleich von Kontaktanzeigen, die in Online-Magazinen für Schwule und Lesben erschienen sind. Mit der fundierten sprachlichen Untersuchung von 100 Kontaktanzeigen liefert Florian Hoffarth interessante Aufschlüsse über die Vertextungsstrategien schwuler und lesbischer Kontaktsuchender. In dieser Arbeit gelingt es Florian Hoffarth zu zeigen, dass es deutliche Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten in der Formulierungsweise beider Gruppen und in der Artikulation ihres „Begehrens“ gibt. Zudem geht der Autor der Frage nach, ob und auf welche Weise Schwule und Lesben durch ihre Sprachverwendung in diesen Anzeigen spezifische Geschlechts- bzw. „Gender“-Identitäten konstruieren. Für Studierende der Gender Studies bietet diese vertiefte Untersuchung sicher außerordentlich intensive Einblicke in die Bereiche Sprache und Identitätskonstruktion. Aber auch für nicht wissenschaftlich Interessierte ist die Lektüre dieser Arbeit sehr aufschlussreich, da die Untersuchung und ihre Resultate einen Lebensbereich betreffen, der sehr nah dran ist an den schwulen und lesbischen Erfahrungen und ihrer Praxis im beginnenden 21. Jahrhundert.

Lisa Kuppler (Hrsg.): Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten

In „Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten“ erzählen 14 Autorinnen und Autoren spannende, alltägliche und spektakuläre Geschichten aus Berlin, New York, München, Hollywood, Sidney und vielen anderen Städten. Dabei geht es schonungslos und mörderisch zu – denn in diesen Geschichten wird getötet und gestorben. Während sich eine Story um eine tödlich besitzergreifende lesbische Assistentin einer amerikanischen Starschauspielerin rankt, werden in einer anderen Erzählung in der Münchener City subtil Mieterinnen und Mieter ermordet, so dass die so begehrten Wohnungen an Freunde und Bekannte weiter gereicht werden können. In einer weiteren Geschichte muss eine Kommissarin in der schwulen S/M-Szene ermitteln, und für den sexuellen Kick fällt ein Schwuler nach dem anderen unter den Messerstichen zu Boden. Und dann wäre da noch die Hamburger Kommissarin, die bis in ein dänisches Frauenlandhaus rast und selbst dort das Ermitteln noch nicht lassen kann.

Lisa Kuppler ist eine erfahrene Herausgeberin, Lektorin und Übersetzerin und versammelt in „Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten“ das beste, was die queere Szene im Bereich zeitgenössischen Krimis zu bieten hat. Ob Mord durch Cunnilingus, Samenraub im Darkroom, schwule Serienkiller und lesbische Kommissarinnen oder schwangere Drag Kings und lesbenmordende Transsexuelle – diese Krimis schöpfen auf jeden Fall aus dem Vollen und schaffen eine feine Verbindung aus einer realistischen Spiegelung des queeren Alltags und reichhaltiger Phantasie. Einerseits sind sie so sehr nah den Lebenswirklichkeiten der Schwulen und Lesben, andererseits begeistern die Erzählungen durch faszinierende Figurenführung, eigenwillige Sprachstile und psychologischen Tiefgang, so dass auch anspruchsvolle Literaturliebhaber auf ihre Kosten kommen. Durch Lisa Kupplers exzellente herausgeberische Arbeit bildet „Queer Crime“ eine interessante Spannbreite lesbisch-schwuler Populärkultur ab.

Lutz Büge: Der Fall Edwin Drood. Eine Zeitreise

Mit „Der Fall Edwin Drood. Eine Zeitreise“ hat Lutz Büge etwas ganz Besonderes gewagt: Er hat eine von Charles Dickens unvollendet gelassene Detektivgeschichte auf seine eigene Weise vervollständigt. Basierend auf „The Mystery of Edwin Drood“, einer Geschichte, die Charles Dickens vor seinem Tod nicht mehr vollenden konnte, hat Büge das Fundament der Erzählung aufgegriffen und stark verändert. So macht Büge aus dem Protagonisten Edwin Drood einen hedonistischen Schwulen, der nach seinem Coming-out von seinem Onkel ermordet wird. Dabei mischt er seinen Text – in kursiver Schrift gesetzt – mit dem Originaltext Dickens. Lutz Büge übersetzt Schlüsselszenen des Originals neu und mischt die Sprache des viktorianischen Englands mit schwulen Szenebegriffen und schwulem Slang aus unserer Zeit.

Zum Hintergrund der Originalerzählung von Dickens sollte man wissen: Als Charles Dickens 1870 an einem Schlaganfall stirbt, hinterlässt er das unfertige Manuskript von „The Mystery of Edwin Drood“. Der Protagonist ist dabei eine Art Oliver Twist, der auf dem Land lebt – umgeben von puritanisch-angelsächsischer Strenge des Dorflebens einerseits und weltläufiger Vielfalt des nahen London andererseits. Als Edwin Drood eines Tages verschwindet, rätseln die Polizei und sein Umfeld, ob er Opfer eines Verbrechens geworden ist. Dickens hatte „The Mystery of Edwin Drood“ als Fortsetzungsgeschichte für Tageszeitungen konzipiert. Lutz Büges Idee, die Figur Drood vor dem Hintergrund seines puritanisch-konservativen Milieus als hedonistischen Schwulen zu zeichnen, kann dabei durchaus als genialer Kunstgriff gelten, der für jede Menge Spannung und Spannungen sorgt.

Seit Dickens’ Tod ranken sich zahlreiche Legenden um den Fall Drood und das unvollendete Werk: Literarische Zirkel diskutieren Lösungsversuche, Dickens-Forscher versuchen sich an einer wissenschaftlich nachweisbaren Entschlüsselung.

Martin Büsser – Der Junge von nebenan. Graphic Novel

Im Stile einer Graphic Novel, also eines illustrierten, comicartigen Romans im Buchformat mit thematischem Anspruch und narrativer Komplexität, erzählt Martin Büsser die Geschichte eines Jugendlichen, der in den 70er Jahren aufwächst und dessen Eltern in den terroristischen Kampf gegen die BRD ziehen. Währenddessen erlebt der Erzähler sein schwules Coming-Out und probiert seine Sexualität aus. Der Junge von nebenan merkt, wie seine Eltern als auch er selbst sich verändern: Nachdem er von der Mutter zunächst allein erzogen worden ist, ändert sich die Situation, als der Vater nach Jahren der Abwesenheit wieder auftaucht. Die Eltern gehen in den bewaffneten Untergrundkampf, werden verfolgt, verhaftet und schließlich von einer Spezialeinheit in Stücke gerissen.

Gleichzeitig ändert sich auch das Leben des Jungen, der fortan bei den Großeltern lebt: aus dem ehemals schüchternen Jungen wird im Laufe der Zeit ein exzentrisches Selbstdarsteller und Protagonist der Londoner wie Berliner Punkszene Ende der 70er Jahre. Andererseits entwickelt sich daraus für den jungen Mann ein Problem: gleichzeitig Punk und schwul zu sein. Die interessantesten Männer kann der Junge von nebenan nicht kriegen, „weil die, die gerade auf Johnny Rotten stehen, nicht schwul sind. Und die, die auf Marianne Rosenberg stehen, die will ich nicht.“

Martin Büsser ist mit „Der Junge von nebenan“ eine faszinierende Erzählung gelungen, die zeitgeschichtliche und politische Aspekte mit Pop- und Musikthemen sowie Gender- und Identitätskonstruktionen auf einzigartige Weise verknüpft. Büsser, der im Jahr 2010 verstorben ist, gilt als einer der renommiertesten deutschen Autoren mit Schwerpunkt Popkultur, Musik, Gender Studies und zeitgenössische Kunst. Er war Mitbegründer und -herausgeber der seit 1995 im Mainzer Ventil Verlag erscheinenden Buchreihe testcard – Beiträge zur Popgeschichte.

Peter Schult: Besuche in Sackgassen. Aufzeichnungen eines homosexuellen Anarchisten

„Besuche in Sackgassen“ ist die Autobiographie des deutschen Schriftstellers Peter Schult, der eine bewegte und bewegende Lebensgeschichte vorzuweisen hat. Als Jugendlicher war Schult begeisterter Hitlerjunge und Teil des letzten Aufgebots des dritten Reiches, bevor er sich den Edelweißpiraten anschloss – informellen Jugendgruppen, die in Opposition zum Naziregime standen. Nach Ende des zweiten Weltkriegs engagierte sich Schult zunächst bei den Deutschen Jungdemokraten und der Liberalen Jugend Europas, bevor er von 1955 bis 1961 bei der französischen Fremdenlegion diente. Während des Algerienkrieges desertierte er aus der Fremdenlegion, weil er von der Unrechtmäßigkeit und der Unmenschlichkeit des Krieges überzeugt war und begann immer mehr, die herrschenden Gesellschaftsformen zu hinterfragen.

1961 zog Peter Schult nach München und begann dort als Schriftsteller und Journalist zu arbeiten. Wegen homosexueller Beziehungen zu Jugendlichen verbüßte Schult zu dieser Zeit mehrere Haftstrafen. Gleichzeitig äußerte sich Peter Schult zunehmend offener und radikaler über pädophile Beziehungen und trat als bekennender Päderast in Erscheinung. Er geriet durch seine offen ausgelebte Päderastie immer mehr ins Visier der Justiz, was seine zunehmend radikaler werdende Ablehnung der etablierten Gesellschaft, der herrschenden Sexualmoral und des bürgerlichen Lebens überhaupt verstärkte. „Besuche in Sackgassen. Aufzeichnungen eines homosexuellen Anarchisten“ ist nicht nur eine faszinierende Lebensgeschichte eines außergewöhnlichen Menschen. Das Werk ist auch ein spannendes zeitgeschichtliches Dokument der jüngeren deutschen Geschichte und lädt zu vielen Auseinandersetzungen mit diversen politischen Positionen ein. Und so ist die Lektüre für den Leser auch eine Möglichkeit, seine eigenen Standpunkte zu hinterfragen und einen Einblick zu erhalten in Lebensbereiche, die oft nach wie vor mit vielen Tabus belegt sind.

Perihan Magden – Ali und Ramazan

Die türkische Schriftstellerin Perihan Magden erzählt die Geschichte der beiden Jungen Ali und Ramazan, die gemeinsam in einem Waisenhaus in Istanbul aufwachsen. Aus der ersten, spontanen Zuneigung entwickelt sich langsam eine Liebe, die sehr viele zärtliche, aber auch einige grausame Aspekte hat, denn die Jungen werden dort mit einigen Zumutungen konfrontiert. Als die Beiden 18 Jahre alt sind, werden sie in eine ungewisse Zukunft entlassen. Zwar gibt die Liebe ihnen Kraft, doch der Traum vom Glück währt nicht lange. So sorgt Ramazan zwar für den Unterhalt der Beiden, wendet sich jedoch dem Strichermilieu zu, während Ali seine Eifersucht mit Drogen und dem Schnüffeln von Lösungsmitteln betäubt.

Perihan Magden erzählt diese schwule Liebesgeschichte in einfühlsamen Worten und in wunderschönen, aber auch traurigen Bildern. Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit und gibt tiefe Einblicke in die Hürden und Hindernisse, die homosexuelle Männer auch heute noch in traditionell und religiös geprägten Gegenden zu überwinden haben. Dabei gelingt es Perihan Magden, viel Verständnis für die Leiden seiner Figuren zu wecken, ohne oberflächliche Vorurteile und Ressentiments zu wecken. Perihan Magden wurde 1960 in Istanbul geboren und gilt als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen jüngeren türkischen Literatur. Mit ihren Kolumnen in der Zeitung „Radikal“, die sehr kontroverse Diskussionen auslösten, wurde sie erstmal einem breiteren Publikum bekannt. Perihan Magden ist Absolventin der Bosporus-Universität, wo sie Psychologie studierte. Zudem ist sie Mitglied des englischen Schriftsellerverbandes PEN. Als freie Autorin lebt sich nach wie vor zusammen mit ihrer Tochter in der türkischen Metropole Istanbul.

Reinaldo Arenas: Bevor es Nacht wird: Ein Leben in Havanna

„Bevor es Nacht wird: Ein Leben in Havanna“ ist die packende Autobiographie des schwulen, oppositionellen Dichters Reinaldo Arenas in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Reinaldo Arenas, Autor vieler renommierter Werke und ein international geschätzter Schriftsteller, schreibt sich hier seinen Frust von der Seele. Nachdem sich Arenas geweigert hatte, als Hymnenschreiber für den kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro zu arbeiten, hätte alleine diese Tatsache schon gereicht, um ein schweres Leben auf der Insel Kuba zu haben. Doch Arenas Weigerung, seine Homosexualität zu verbergen, bringt das Regime vollends gegen ihn auf. So wird er vor allem verfolgt, weil er die Unverschämtheit besitzt, seine Homosexualität übermütig und ungezügelt auszuleben – ein absoluter Tabubruch in Kuba. Als Reinaldo Arenas dieses Buch begann, konnte er nur in den Bäumen des Leninparks in Havanna ungestört schreiben – bevor es Nacht wurde.

Doch war dies nur eine der letzten der vielen Hürden, die Arenas im Laufe seines Lebens zu überwinden hatte. Sein Versuch, schwimmend eine amerikanische Militärbasis zu erreichen, scheitert: »Der Freund der mir die Shorts besorgt hatte, versteckte mich in einer der Kabinen am Strand und ging zu meinem Haus, das jetzt von Polizisten mit Hunden bewacht wurde. Er sagte, ich solle schnell ins Meer springen und mich hinter einer Boje verstecken, da würden mich die Hunde nicht aufspüren.« Es folgen Gefängnis, Verhöre durch die Staatssicherheit und erneute Gefängnisaufenthalte.

Regiesseur Julian Schnabel hat diese Lebensgeschichte des Schriftstellers Reinaldo Arenas mit den Schauspielern Javier Bardem und Johnny Depp verfilmt und dafür auf der Biennale von Venedig 2000 den Großen Preis der Jury erhalten.