Spektralanalyse: Homosexualität und ihre Feinde (Osteuropa Heft 10/2013)

Homosexualität ist in Russland gesellschaftlich stark tabuisiert: Nachdem Putin das Gesetz gegen Homosexualität abgesegnet hat, muss man in Russland mit empfindlich hohen Bußgeldern rechnen, wenn man sich in Russland in Gegenwart von Kindern positiv über Homosexualität äußert. Im Gegenzug wirft die russische Regierung der EU vor, “aggressive Propaganda” von Homosexualität zu betreiben. Vor diesem aktuellen Hintergrund beschäftigt sich dieses Themenheft der Zeitschrift OSTEUROPA [= OSTEUROPA, 10/2013] mit den folgenden Fragen: Woher kommt der Hass auf Schwule und Lesben? Weshalb schürt ihn in Russland der Staat? Welche Rolle spielt die Orthodoxe Kirche? Warum ist das gesellschaftliche Klima in Tschechien soviel liberaler? Wie ist die Lage von LGBT in Polen? Wie haben russische und tschechische Schriftsteller ihre homoerotischen Erfahrungen verarbeitet? Die Antworten gibt diese Ausgabe der Zeitschrift OSTEUROPA, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V.

Inhalt des Heftes:
Editorial: Homophobie und autoritärer Staat
Dan Healey:Beredtes Schweigen. Zur Geschichte der Homosexualität in Russland
Ulrich Schmid: Masken des Begehrens. Homosexualität in der russischen Literatur
Igor Kon: Lackmustest. Homophobie und Demokratie in Russland
Natalija Zorkaja: Ressource des Autoritarismus. Diffuse Homophobie in Igor Kons Lesart
Nikolay Mitrokhin: Gottes Wort und Priesters Tat. Die Orthodoxe Kirche und die Homosexualität
Konstantin Michajlov: “Propaganda der Sünde”. Die ROK und die sexuellen Minderheiten
Katja Wiebe: Verordnete Verunsicherung. Homosexualität, Jugendschutz, Jugendliteratur
Evgenia Belorusets: A Room of My Own. Bilder von LGBT-Familien in der Ukraine
Zlata Bossina: Politisch wider Willen. Russisch in Berlin: queer + art = Quarteera
Franz Schindler: Blick durch die “rosa Brille”. Die Tschechen und die sexuelle Minderheit
Martin C. Putna: Von der Splendid Isolation zum Mainstream. Homosexualität in der tschechischen Literatur
Tomasz Kitliński, Pawel Leszkowicz: Bipolar. Homophobie und Toleranz in Polen 195

Adolf Brand – Die Wegwalt-Drucke

Um die Jahreswende 1913/14, also vor genau 100 Jahren, legte Herausgeber Adolf Brand, Begründer und Verleger der Zeitschrift Der Eigene, in rascher Folge als Wegwalt-Drucke sieben Hefte mit Nachdrucken historischer und zeitgenössischer Texte vor. Bei diesem Buch handelt es sich um einen Reprint der von Adolf Brand herausgegebenen Wegwalt-Drucke Nr. 1-7 mit einer Vorbemerkung von Marita Keilson-Lauritz.

– PETER HAMECHER, Bild und Traum
– BENJAMIN [F. Lechleitner], Pfingstnacht
– KARL H. ULRICHS, Manor
– A. RÖMER, Die Handschrift des Avicenna
– CAESAREON, Brief an eine Mutter
– MICHELANGELO, An Tommaso Cavalieri – Die Wiedergeburt der Freundesliebe (Programm und Satzung der Gemeinschaft der Eigenen)

Richard Amory – Das Lied des Sterntauchers

Weiter geht’s mit einem weiteren vergessenen Klassiker der schwulen Literaturgeschichte: Dieser Roman aus dem Jahr 1966 ist zugleich Ausdruck wie Katalysator eines wachsenden schwulen Selbstbewusstseins. Wo die Karl-May-Klassiker Winnetou und Old Shatterhand aufhörten, machen Singender Reiher, Träumender Bär und Hauptdarsteller Ephraim lustvoll weiter. Der Autor Richard Amory orientiert sich in seinem Buch nämlich an amerikanischen Gründungsepen wie Lederstrumpf und Pocahontas und beschreibt eine Reise in die unerforschte Wildnis als Abfolge sexueller Begegnungen mit Trappern und Indianern. Schließlich stößt der Held zur Gesellschaft der Sterntaucher, die eine lustvolle Alternative zum Selbsthass der puritanischen Pilgerväter lebten.

Richard Amory – 1927 in Oregan als Sohn eines Lehrerehepaars geboren und mit dem ebenfalls äußerst klangvollen Namen Richard Love gesegnet – schildert in “Das Lied des Sterntauchers” die erotischen Szenen mit einem pathetischen Überschwang, der den Übersetzer der deutschen Erstausgabe 1971 (Titel: “Rote Männer auf grünen Matten”) wohl dazu verleitet hat, die Handlung mutwillig zu veralbern. Dabei hatte dieses klassische Kultbuch durchaus eine ordentliche Übersetzung verdient. Wir präsentieren deshalb hier erstmals die wahre Geschichte um Ephraim McIver, Träumender Bär und ihre weißen und roten Freunde, den sicherlich meistverkauften schwulen Erotikroman sowohl in Amerika wie in Deutschland.

Richard Amory gründete übrugens auch die “Renaissance Group” der schwulen Autoren Dirk Vanden, Phil Andros, Peter Tuesday Hughes u.a. Er starb im Jahr 1981.

Herman Bang – Hoffnungslose Geschlechter

Herman Joachim Bang (1857-1912) war ein dänischer Schriftsteller und Journalist. Er schrieb seinen Debutroman “Hoffnungslose Geschlechter” im jungen Alter von 23 Jahren, und sowohl sein Held William Hög als auch dessen dekadenter Freund Bernhard Hoff tragen autobiografische Züge. Das Werk wurde – genau wie sein Verfasser – sehr kontrovers diskutiert. Herman Bang lebte das Leben eines Dandys, inszenierte sich als Gesamtkunstwerk und zeigte seine homosexuellen Neigungen in aller Öffentlichkeit, was ihm manche Anfeindungen und Isolation in Dänemark eintrug. Kein Wunder, dass “Haabløse Slægter” so der Originaltitel von “Hoffnungslose Geschlechter” einen Skandal erregte und wegen “Unsittlichkeit sogar beschlagnahmt wurde. In seiner weiteren künstlerischen Entwicklung wurde Herman Bang übrigens zum Schöpfer des dänischen Impressionismus und der Repräsentant der dänischen Dekadenz. Herman Bang schilderte meisterhaft das Leben “unbedeutender” Menschen sowie einsamer und isolierter Frauengestalten.

Doch worum geht es in dem hier vorliegenden Buch? William, ein sehr dunkler Junge, fast wie ein Zigeuner, ist der letzte Spross einer alten, berühmten Familie, doch schon sein Vater hatte durch sinnliche Ausschweifungen seine Gesundheit ruiniert und war früh in Wahnsinn und Drogensucht gestorben. Als William erkennt, dass ihm ein bürgerliches Leben nicht gelingt, ermutigt ihn Hoff, das künstlerische Schattenreich als Rückzugsort zu wählen. Damit ist William der literarische Ahnherr von Thomas Manns Hanno Buddenbrook und auch von Heinrich Manns Professor Unrat. Seine Zeitgenossen empfanden bereits die realistische Darstellung gesellschaftlichen Verfalls als Provokation, aber mehr noch die mitschwingende Behauptung von Unausweichlichkeit. Denn wie sagt der Dorfarzt: Diese Linie ist fertig.

Dass William Hög eine Liebesaffäre mit der ehemaligen Geliebten seines Vaters beginnt, lieferte den Vorwand für ein Verbot des Romans. Wie fünfzehn Jahre später im Prozess gegen Oscar Wilde war es auch hier wohl nur das Wissen um die Homosexualität des Autors, das den harmlosen Schilderungen ihre unmoralischen Interpretationen hinzufügte.

In Deutschland erschien 1900 die Übersetzung der gekürzten und überarbeiteten 2. Auflage des Romans, nachdem Bang hierzulande durch den Roman “Am Wege” schlagartig bekannt und beliebt geworden war. Mit dieser Neuübersetzung der ungekürzten Erstfassung legen wir Bangs Debut nun erstmals vollständig in deutscher Sprache vor. Bangs letzter, in deutscher Sprache seit langem vergriffener Roman Michael erschien bereits 2012 in der Bibliothek rosa Winkel.

B. Citizen – Die Yumbo Center Boys

Erst vor einer Woche bin ich aus meinem jährlichen Gran-Canaria-Urlaub zurück gekommen. Neben dem herrlichen Strand, den berühmten Dünen von Maspalomas und der beeindruckenden Berglandschaft lockte mich natürlich auch das Yumbo Centre auf die Kanareninsel.

Gran Canaria ist nämlich nicht nur die Insel des ewigen Frühlings, sondern Dank des Yumbo Centers auch sonst die wärmste Insel der Welt: Im legendären Yumbo Center in der Touristen-Hochburg Playa del Ingles reiht sich nämlich ein Gay-Etablissements an das andere. Bis zum späten Abend können sich die schwulen Herren in den einschlägigen Bars und Cafés einen Drink und beobachten die vorbei flanierenden Homosexuellen, welche ihrerseits das Angebot abchecken. Etwa ab Mitternacht zieht das schwule Partyvolk dann eine Etage höher, wo sich Dance-Clubs, Fetischläden, Cruising-Bars und Travestie-Shows befinden. Im Yumbo-Center finden homosexuelle Männer alles, was die Gay-Szene zu bieten hat. Tagsüber ein gewöhnliches Einkaufszentrum, treffen sich hier am Abend bis in die Nacht schwule Touristen aus aller Welt und feiern eine nicht enden wollende Party in den weit über 50 Gay Bars, Restaurants und Discotheken.

Womit wir auch endlich bei der Handlung dieses Buches wären: Mittendrin stehen nämlich die Yumbo Center Boys, vier attraktive junge Männer, die nach Gran Canaria gekommen sind, um ihr Glück zu versuchen: • Joe, der unglaublich hübsche blonde Jüngling will einfach nur sein Leben genießen. Er sucht Liebe, Sex und Abenteuer und davon gibt es im Yumbo-Center wirklich mehr als genug! • Fabsi, der Waisenknabe mit den traurigen Augen und dem Herz aus Gold. Fabsi ist neu im Yumbo und hat von Tuten und Blasen keine Ahnung. Aber er lernt schnell, bemerkenswert schnell! • Mario, das charmante Schlitzohr kommt nicht nur bei den Männern gut an. Mario bietet Escort auf höchstem Niveau und geht in den Luxushotels in Playa del Ingles und Maspalomas ein und aus. • Und Bully, der freche Diplom-Taschendieb und Gelegenheitsstricher, der sich in den dunkelsten Darkrooms des Yumbo auskennt wie in seiner Westentasche. Sie sind die besten Freunde der Welt, machen das berühmte Yumbo Center unsicher und ziehen den schwulen Touristen das Geld aus der Tasche. Jeder Tag ist ein Urlaubstag und die Sonne scheint sogar bei Nacht. Aber wo viel Sonnenschein ist, da ist auch Schatten: Eifersucht und Liebesleid, Drogen und Alkohol, die allgegenwärtige Policia und der zwielichtige Stricherkneipen-Wirt „Peseten Pete“ machen den liebenswerten Jungs das Leben schwer. Und dann ist da noch ein blutrünstiger Serienkiller, der es speziell auf junge Rentboys wie Joe, Fabsi, Mario und Bully abgesehen hat! Yumbo Center Boys ist die perfekte Strandlektüre für Gran Canaria Touristen und alle, die reif für die Insel sind! Yumbo Center Boys ist ein Muss für alle Yumbo-Fans! Leichte Unterhaltung voller Witz, Spannung und Erotik.