Schwuler Comic: Mioki’s Popcorn

Popcorn ist ein erotischer Comic des amerikanischen Comiczeichners Mioki. Der 1949 als Kind tschechischer und deutscher Immigranten in den USA geborene und heute in New Jersey lebende Zeichner, hat sich bereits mit seinen Bestsellern “Side by Side” (die deutsche Ausgabe trägt den Titel “Durch Dick und Dünn”) und “Still Side by Side” eine große Fangemeinde erschaffen.

Licht aus, Spot an: Seite für Seite zeigt Mioki sexy Momentaufnahmen und charmante Begebenheiten. Comic-Fans, die auf der Suche nach heißen Zeichnungen sind, die die Fantasie anregen, sei dieses Werk ans Herz gelegt. Denn Kleidung spielt in diesem Comic überhaupt keine Rolle: Mioki präsentiert junge Männer, die sich auf sage und schreibe 80 Seiten allein, zu zweit oder in der Gruppe in einfallsreichen Sexualstellungen verlustieren.

Andrej Barov – Kein Tag Ohne Sex (Band I)

Dies ist eine Premiere: Eigentlich bin ich ein altmodischer Mensch und lese Bücher in der Regel im Papierformat. Daher verlinke ich in diesem Blog auch für gewöhnlich physische Bücher. Dies ist also mein erster Beitrag über ein digitales Buch.

Andrej Barovs erstes Buch ist Sachbuch, Ratgeber, moderner erotischer Roman und vieles mehr. Der Autor schreibt aus der Sicht eines Homosexuellen über Sexportale, die daraus resultierenden Sexdates und wie es sich auf die Gesellschaft auswirkt. Die Leser erfahren hautnah, wie es zugeht in der großen weiten Welt des Online-Datings. Wie bahne ich ein Sex-Date an? Interessiert sich überhaupt jemand für meine Persönlichkeit? Wie komme ich schnell zum Erfolg? – auf all das findet man hier Antworten. Besonders Frauen wird es interessieren, was Männer wirklich wollen. Gleichzeitig werden sie sich wundern, wie deutlich ein Mann über seine Bedürfnisse reden kann, wenn er sich verstanden fühlt.

Andrej Barov, ein international bekannter Medienkünstler, hat sich zum Ziel gesetzt endlich einen unverschleierten Blick auf das wahre Wesen des Mannes zu ermöglichen, der sich, frei von gesellschaftlichen, historischen und religiösen Einflüssen, so gibt, wie er empfindet. Um das zu schaffen hat er sich aber nicht etwa in Selbsthilfegruppen eingeschlichen, nein, er tauchte ein in die weite Welt der Online-Sexportale, eine Welt der maximalen Verfügbarkeit, in der sich Studienräte als „dauergeile Hengste“ titulieren und Versicherungsvertreter den ultimativen Kick im Gruppensex finden – 24 Stunden, sieben Tage die Woche, völlig anonym.

Barov ist dabei ein aufmerksamer Chronist der vielen Veränderungen, die er selbst durchlebt. Er kämpft um den Erhalt seiner Sprache und verliert. Erst als er nichts mehr auf Höflichkeit und Etikette gibt und sich dem äußerst knappen, derben, mitunter unfreiwillig komischen Stil der anderen User anpasst, hat er wirklich Erfolg. Beginnt man zu lesen, wird einem sofort klar, dass in der Anonymität des Internet tatsächlich alle Hemmungen fallen. Dort hat man es am liebsten, wenn Dinge beim Namen genannt und nicht durch anspruchsvolles Palaver unnötig in die Länge gezogen werden. Die oftmals ernüchternde Direktheit in den Unterhaltungen ist der Tatsache geschuldet, dass die Chats in schwulen Online-Portalen geführt wurden. Wenn Männer mit Männern sprechen gibt es wohl keine Kommunikationsbarrieren.

Doch wer glaubt, im Internet-Chat würde das geschriebene Wort den Ausschlag geben, der irrt. Barov erfährt die Allmacht der Bilder am eigenen Leib. Während seines Projektes arbeitet er sich vom Nobody zur Nr. 25 der „heißesten User“ hoch, mit eiserner Disziplin und hartem Training. Jetzt erst hat er den Schlüssel um überhaupt Dialoge gezielt beginnen zu können.

Mit der Neugierde und Sensibilität eines Künstlers beobachtet, beschreibt und analysiert Barov Marktmechanismen, Verhaltensmuster und Sprachcodes, die sich in der kurzen Zeit, in der diese Form der Kontakt-Börse überhaupt besteht, herausgebildet haben. Ungeschönt schildert er die Sexsuche in Zeiten der Selbstoptimierung, zeigt Liebessüchtige zwischen Überfluss und Überdruss, aber auch Momente großer Nähe und Sympathie.

Barov wendet sich mit diesem Projekt explizit an alle Männer und Frauen, die schon lange versuchen, ihr jeweiliges Gegenüber besser zu verstehen. Er ist unser Expeditionsleiter in für viele noch unbekannte Gefilde. Über sechs Jahre hat er in Online-Portalen recherchiert und dabei mit mehr als 2.500 Männern gechattet. Er war 25.173 Stunden online und hat 280 Selbstportraits inszeniert um seinen Marktwert und somit seine Chance auf längere Unterhaltungen zu steigern. Im zweiten Teil des Buches sind 365 ausgewählte, anonymisierte Originalchats wiedergegeben und der Leser kann ungeniert dabei sein, wenn Man(n) zur Sache kommt. Anders aber als soziologische Wissenschaftler, die entweder Abbrechen, wenn es interessant wird oder Ihr Wissen durch Interviews in zweiter Hand gewinnen müssen hat Andrej Barov es nicht beim virtuellen Kontakt belassen. Er hat bei über 287 Verabredungen im Real-Life einen genauen Blick hinter die Online-Fassade geworfen.