Jamie O’Neill – Im Meer, zwei Jungen

Der Roman “Im Meer, zwei Jungen” von Jamie O’Neill spielt im Irland des Jahres 1915: In heute kaum noch zu lesender epischer Sprache, dichtet der irische Schriftsteller und Journalist auf 700 Seiten eine Geschichte, in deren Mittelpunkt der 16-jährige Krämersohn Jim und der Arbeiterjungen Doyler stehen. Während um sie herum politische Unruhen brodeln, verlieben sich die zwei Jungen ineinander. Täglich treffen sie sich an einem Badefelsen an der Küste Dublin. Dort schließen sie einen Pakt: Doyler soll Jim das Schwimmen beibringen. Denn am nächsten Ostersonntag wollen sie zusammen zu den Felsen der Muglins schwimmen und die irische Fahne hissen. Doch dann werden die beiden Jungen von der Realität eingeholt, und die politischen Konflikte drohen, sie wieder auseinanderzureißen. …

Beim Lesen fühlt man sich unweigerlich an den Einfluß der großen irischen Schriftsteller wie Joyce und O’Brien erinnert, doch Jamie O’Neill findet durchaus seinen eigenen Stil. Mit “Im Meer, zwei Jungen” ist ihm sein eigenes Meisterwerk trefflich gelungen, das nicht nur schwule Leser endlich wieder dazu bringen kann, ungeniert zu lachen und zu weinen. Der Roman ist in einer sehr bildreichen Sprache geschrieben, sämtliche Protagonisten wurden akzentvoll gezeichnet, so dass man sie einfach ins Herz schliessen muss! Allerdings muss ich an dieser Stelle zugeben, dass es eine Weile dauert, bis man sich eingelesen hat. Denn der Autor lässt sich viel Zeit, bis sich die Handlung langsam und auf verschiedenen Erzählebenen entwickelt. Doch das Weiterlesen lohnt sich, denn Jamie O’Neill ist mit “Im Meer, zwei Jungen” eine äußerst schöne und glaubwürdige Erzählung gelungen. Endlich wieder Literatur mit einem schwulem Thema – und dennoch ist Schwulsein kein Thema: Das Buch ist einfach nur wunderbar und höchst empfehlenswert. Das Epos über Liebe und Freiheit erinnert an Klassiker wie Oliver Twist und Tom Sawyers und braucht sich hinter diesen nicht zu verstecken.

Dale Lazarov – Greek Love

Nach dem jüngsten Werk von Ralf König möchte ich Euch gleich noch ein weiteres Comic hier im Blog vorstellen: Dieser stammt aus der Feder von Dale Lazarov, seines Zeichens Erfolgsautor und Herausgeber von Sticky, Manly, Nightlife und Good Sports. Mit Greek Love ist nun der fünfte Comic des Chicagoer Autoren bei Bruno Gmünder erschienen.

Doch worum geht es in dem Werk? Eros erlaubt sich, einen Halbgott und einen Hirten zu verkuppeln, um an deren erotischem Abenteuer teilzuhaben. Die Geschichte wird mit starken Bildern und ohne Worte erzählt. Wie all seine Comics ist auch Greek Love voller Lust und Humor. Seine Geschichten sind versaute, obwohl es gleichzeitig auch mal durchaus zärtlich zur Sache geht.

Dale Lazarov ist ein offen schwuler amerikanischer Comic-Zeichner und Dichter. Seine wortlosen, erotischen Geschichten und Graphic Novels wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er selbst bezeichnet Tom of Finland als einen der größten Einflüssen und lebt und arbeitet zur Zeit in Chicago.

Ralf König – Konrad & Paul: Raumstation Sehnsucht

Konrad und Paul sind endlich wieder da! Ralf König verarbeit in seinem neuesten Konrad-und-Paul-Comic mit dem wunderbaren Namen “Raumstation Sehnsucht” viele Motive aus den Dramen von Tennessee Williams, der von vielen auch als der amerikanische Shakespeare bezeichnet wird. Zweifellos war er jedoch der genialste Dramatiker, den Amerika je hervorgebracht hat. So enhält die Geschichte einige Elemente aus Werken wie zum Beispiel “Endstation Sehnsucht”, “Die Glasmegagerie”, “Plötzlich im letzten Sommer” oder “Die tätowierte Rose”.

Neuer Comic von Ralf König – Konrad & Paul: Raumstation Sehnsucht

Doch worum dreht sich die Geschichte des ungleichen Paares Konrad und Paul dieses Mal? Eine Hitzewelle im Mai lässt den Testosteronpegel ansteigen und Paul im Auftrag seiner Mutter auf nach Frankfurt, um seiner Schwester Edeltraut, die mit einem Tier von Mann verheiratet und im neunten Monat schwanger ist, hilfreich zur Seite zu stehen! Wie zu erwarten, passt der polnische Schwager genau in Pauls Beuteraster! Zu gleichen Zeit im heimischen Köln ist Konrad fasziniert von seinem rumänischen Klavierschüler Anton. Der weltfremde Jüngling allerdings interessiert sich mehr für seine Sammlung antiker Likörgläser. Die Grundelemente der Konrad-und-Paul-Comics finden sich also auch in Ramstation Sehnsucht wieder: Auf der einen Seite amüsieren wir uns über Paul mit seiner Vorliebe für grobschlächtige Muskelmänner, andererseites leiden wir mit dem schmächtigem, kultivierten Konrad und seiner Vorliebe für sehr junge Männer. Für einen szenefremden Leser wie mich, der abseits der schwulen Szene ganz spießig in einer kleinstädtigen Doppelhaushälfte lebt, bleiben Ralf Königs Comics eine der letzten Verbindungen zur schwulen Subkultur.

Auch wenn ich sonst kein Comic-Fan bin: Die Gay-Comics von Ralf Köng sind ein Muss für jeden schwulen Mann und eine Bereicherug für jeden Hetero.