Tony O’Neill wurde im Jahr 1978 geboren und lebt als Autor und Musiker in New York. In seinem Buch Sick City mixt Tony O’Neill einen literarischen Drogencocktail – hart, hektisch und manchmal von gnadenloser Komik. In Kombination mit den Streetart-Zeichnungen von Michel Casarramona entwickelt sich Sick City zu einer regelrechten Wort-Orgie, ein Film in Buchstaben.

Der Großteil des Romans spielt in einer Drogenentzugsklinik in Los Angeles und es gibt wohl kaum eine Seite in dem Buch, auf der nicht geschnupft, geraucht oder gar gespritzt wird. Die Handlung ist gespickt mit cracksüchtige Transvestiten, Junkies, Nutten und Strichjungen und dreht sich um ein Video-Tape, das einige der wichtigsten Schauspiel-Stars Hollywoods bei einer wüsten Sexorgie zeigt. Sick City ist eine wunderbare Hommage an die frühen Black Mask Stories von Raymond Chandler.

 

Falls noch jemand auf die Schnelle ein passendes schwules Weihnachtsgeschenk sucht: Und alles nur, weil Josef schwul war. Die ganz andere Weihnachtsgeschichteist ein bitterböser Weihnachtscomic von Gray Jolliffe. Blasphemisch, aber nicht gotteslästerlich, unterhaltsam, aber nicht derb, jedoch auch nicht zu vorsichtig – geht das? Und ob das geht. Jolliffe, Autor des Erfolgscomics “Sein bester Freund”, präsentiert einen herzerfrischend respektlosen Weihnachtscomic: die überraschende Wahrheit über einen schwulen Schreiner, seine Frau Maria und das große Wunder der unbefleckten Empfängnis.

 

Hans Henny Jahnns war ein deutscher Schriftsteller, Orgelreformer und Musikverleger. Obwohl sich Hans Henny Jahnn öffentlich nie zu seiner Homosexualität bekannte und eine Ehe mit Ellinor Philips einging, gilt es heutzutage als erwiesen, dass Hans Henny Jahnns von Jugend an homosexuelle Beziehungen unterhielt, unter anderem zu Gottlieb Harms, der nicht nur seine große Liebe war, sondern neben dem er heute sogar bestattet liegt.

Im Zentrum des schriftstellerischen Werks von Hans Henny Jahnns steht die existentielle Angst, die uns Menschen unauflöslich bleibt und nur durch die Liebe und das Mitleid mit anderen Menschen und mit der Schöpfung überwunden werden kann. Der Verlust von Liebe und Zuwendung ist daher immer ein tragischer Sturz in fundamentale Qualen, der weit über die reine Trauer hinaus geht. Diese Weltsicht trifft sich im Werke Hans Henny Jahnns mit einer hohen Schätzung einer idealisierten harmonikalen pythagoreischen Ästhetik, die sich in tief verankerter Religiosität für die Würde des Menschen ausspricht und gegen die fehlgeleiteten Entwicklungen in Gesellschaft und Kultur wendet. Jahnn zeigt sich dabei in seinen Romanen als offener Atheist.

Mit dieser anlässlich seines 100. Geburtstages am 17. Dezember 1994 veröffentlichten Jubiläumsausgabe ist sein Werk wieder in einer preisgünstigen Ausgabe lieferbar. Sie enthält die Texte aus der großen, kritisch-revidierten ˜Hamburger Ausgabe˜:

Band I: Dramen I:
Pastor Ephraim Magnus/ Die Krönung Richards III./Medea, Versfassung 1926
Band II: Dramen II:
Straßenecke/ Neuer Lübecker Totentanz, Fassung 1931/Armut, Reichtum. Mensch und Tier/Thomas Chatterton/Der staubige Regenbogen
Band III: Perrudja:
Perrudja/Zweites Buch
Band IV: Fluss ohne Ufer:
Das Holzschiff
Band V: Fluss ohne Ufer:
Die Niederschrift des Gustav Anias Horn I
Band VI: Fluss ohne Ufer:
Die Niederschrift des Gustav Anias Horn II
Band VII: Fluss ohne Ufer:
Epilog
Band VIII:
Die Nacht aus Blei – Kurze Prosa und Essays

 

Der schwule Autor Andreas Steinhöfel ist für sein Buch “Rico, Oscar und die Tieferschatten“ auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Jugendliteraturpreis in der Sparte „Kinderbuch“ ausgezeichnet worden. In der schwulen Welt ist der große Erfolg von Andreas Steinhöfel, der in letzter Zeit mit Preisen förmlich überschüttet wurde, jedoch noch nicht so wirklich angekommen – das sich vermutlich dadurch erklären lässt, dass Andreas Steinhöfel als schwuler Autor nicht ständig schwule Bücher schreibt.

In der Begründung der Jury heißt es unter anderem:

Steinhöfels Sprache schließlich vereint Figurendarstellung und Milieuschilderung zu einem modernen Sozialroman für Kinder. Um aus der Perspektive Ricos erzählen zu können, schafft er ein umfassendes und sprachschöpferisch ausgeklügeltes Vokabular für dessen Weltwahrnehmung. Ohne Beschönigung taucht Steinhöfel ein in Ricos innere und äußere Welt, eröffnet uns einen neue kinderliterarische Maßstäbe setzenden Kosmos und legt so einen Roman für Kinder vor, der in Figurenzeichnung, Plotgestaltung, sprachlicher Gestaltung und Aussage nichts zu wünschen übrig lässt – eben ein Roman eines ganz und gar nicht tiefbegabten Autors.

 

John Devine würde am liebsten aus Kilcody, einem irischen Provinznest, abhauen. Weg von seiner ewig besorgten, kettenrauchenden Mutter Lily, die ihn mit morbiden Bibelsprüchen erzieht. Doch dann tritt eines Tages der coole Jamey Corboy in sein Leben: Dieser Junge ist zwar nur ein Jahr älter als John, hat aber mehr Stil als ganz Kilcody zusammen, Rimbaud in der Manteltasche und gute Beziehungen zu finsteren lokalen Gangstern. Von einem Augenblick zum anderen ist Johns Leben voller Möglichkeiten – und schnell tuscheln die Bewohner des kleines Ortes, dass Jamey schwul ist und die beiden Jungen ein Verhältnis miteinander haben.

Der Musik-Journalist Peter Murphy kombiniert in seinem Debut-Roman “Ich, John” (Originaltitel “John The Revelator” – weiß jemand, ob der Titel etwas mit dem gleichnamigen Song von Depeche Mode zu tun hat?) einen hypnotischen Erzählstrom mit der unheimlichen Stimmung eines Tim-Burton-Films. Auch wenn der Roman amüsant zu lesen ist, durchzieht ein morbider Hauch von Gospel-Blues und Nick Cave dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite.

 

Das Buch Eine Welt dazwischender jungen belgischen Schriftstellerin Aline Sax handelt von einer belgischen Familie, welche wie Tausende andere Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Richtung einen Neubeginn in Amerika wagen wollte. Allerdings können auf Grund einiger Probleme nicht alle Familienmitglieder das gelobte Land betreten, sondern nur Adrian, ein Sohn der Familie, kann nach New York einreisen und muss sich in der großen, fremden Stadt zunächst ohne Unterkunft und Job vollkommen alleine und auf sich gestellt durchschlagen. Mit der Zeit findet der Junge jedoch Gefallen an dem Großstadtleben New Yorks und lernt schließlich Jack, einen jungen Hotelportier, kennen und lieben. Das Buch schilder auf eine ganz wunderbare Weise die zunächst vorsichtige Annäherung Adrians an das eigene Geschlecht und erläutert auch die Heimlichtuerei und das ständige Auf-der-Hut-sein, da die homosexuelle Liebe im Amerika des frühen 20. Jhdts erwartungsgemäß sehr geächtet ist.

Aufmerksam geworden auf dieses wunderbare Buch bin ich durch den WDR2-Buchtipp am Sonntagmorgen. Die Begeisterung der Redakteurin wirkte ansteckend, und ich bin nicht enttäuscht worden.

 

Ein homoerotischer Fantasy-Roman ist auf jeden Fall eine Besonderheit auf dieser Seite: Mit spannenden Worten entführt uns Simon Rhys Beck in Magierblut – Die Dämonen des Caskáranauf eine abenteuerliche Reise durch ein Land der Magie.

Wie in den meisten guten Fantasyromanen wimmelt es auch in Magierblut – Die Dämonen des Caskáran von Intrigen, machthungrigen Brüdern oder einer rachsüchtigen Stiefmutter und die Spannung baut sich von der ersten Seite an auf, hält sich durch das ganze Buch hindurch und gipfelt schließlich in einer Überraschung, als man die Täter findet und das Geheimnis um Bennet gelüftet wird. Selbstverständlich kommt auch die schwule Erotik in dem Story nicht zu kurz, und manchmal muss der Leser Angst haben, dass die Seiten des Buches vor lauter Hitze Feuer fangen könnten.

Die beiden Hauptcharaktere Zeth und Bennet sind zwei Mannsbilder, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, und dennoch fühlen sich die beiden Kerle vom ersten Augenblick an zueinander hingezogen. Es knistert vor Erotik zwischen den beiden Männern und der Leser will auf jeder Seite des Romans wissen, wie es mit Bennet und Zeth weitergeht. Im Laufe der Handlung geraten sie in viele Gefahren und Intrigen, die ihre Liebe auf eine harte Probe stellen. Doch bis sie erkennen, dass ihre Liebe und das Schicksal sie für immer zusammengeschweißt haben, müssen sie zahlreiche Hürden meistern.

 

Der Roman Karanvon Sonju DiCarmen erzählt von einem jungen Halbinder/Halbengländer namens Karan, der bei seiner aufreibenden Jobsuche in London auf den charismatischen Dev trifft. Selbstverständlich ahnt Karan nicht, dass es sich bei diesem um den schüchternen Sohn des Besitzers des Jadoo-Theaters handelt, bei dem er sich am nächsten Tag – erfolgreich – vorstellen möchte.

Zwar plant Dev, in wenigen Tagen nach Indien zu fliegen, um seine Familie nachzuholen, doch nichtsdestotrotz lädt Karan ihn ein, bei ihm zu übernachten. Dabei verliebt sich Karan in Dev, und obwohl er sich geschworen hat, es Dev niemals zu sagen, ist es dem unglücklichen jungen Mann an diesem Abend nicht mehr möglich, seine Gefühle für Dev zu verstecken. Karan gesteht seinem Angebeteten seine Homosexualität und beichtet ihm sogar, dass er sich zu ihm hingezogen fühlt. Dev beschließt überraschender Weise, Karan sein „erstes Mal“ zu schenken, stellt aber dabei klar, dass er verheiratet ist und sie nur diese eine Nacht miteinander haben werden. Doch natürlich kommt alles ganz anders: Die beiden Männern verlieben sich ineinander. Aus unterschiedlichen Gründen stehen jedoch beide nicht zu ihren Gefühlen, so dass sie am nächsten Tag schweren Herzens voneinander Abschied nehmen mit der Absicht, in Zukunft bei der gemeinsamen Arbeit im Theater Freunde zu sein.

Das Buch Karan zeigt dem Leser, dass Homosexualität nicht immer nur die Gier nach schnellem Sex ist, sondern es erzählt sehr eindrucksvoll und gefühlvoll die Verwirklichung der eigenen Liebeswelt bzw.- vorstellung.

So interessant wie die Geschichte dieses schwulen Romans klingt auch der Lebenslauf der Autorin Sonju DiCarmen: Diese wurde 1976 in der Nibelungenstadt Wormsgeboren und arbeitet zur Zeit als Handelsfachwirtin im Bereich BWL & Insolvenzen. Sie machte einen Abschluss im Bereich Business-Sprachen an der LCCI London und kann berufliche Einsätze als Assistentin im Exportgeschäft vorweisen. Außerdem arbeitete sie fast acht Jahre lang in einem Vollzeitjob als Prokuristin und leitete nebenbei ihr eigenes Wellness-Studio. Den Roman schrieb sie als Ausgleich zu ihrem von Zahlen dominierten Leben.

 

Der Autor Jan Stressenreuter wurde 1961 in Kassel geboren, aufgewachsen istr er jedoch in der Nähe von Düsseldorf. Mittlerweile lebt er mit seinem Freund in Köln, wo auch sein Kriminalroman “Aus Rache” spielt. Jan Stressenreuter liebt Bücher, Popmusik und vor allen Dingen die siebziger Jahre.

Aus Rachehandelt von Hauptkommissarin Maria Plasberg , die vor einem schwierigen Fall steht. Ihr Partner im Dienst ist einer der wenigen offen schwul lebenden Beamten im Kölner Polizeidienst. Zusammen versuchen die beiden dem Mord an Axel Borowsky auf den Grund zu gehen, welcher mit zwei Messerstichen bestialisch ermordet wurde. Dabei gelingt es Jan Stressenreuter auf grandiose Weise, die gängigen Köln-Klischees zu vermeiden und stattdessen ein Köln-Feeling zu vermittelt, das bedeutend ehrlicher und realistischer daherkommt und auf diese Weise dem tatsächlichen kölschen Lebensgefühl weit mehr entspricht. Trotzdem – oder besser gesagt gerade deswegen – entsteht auf diese Weise ein hoher Wiedererkennungseffekt. Sogar der berüchtigte U-Bahnbau (man erinnere sich an das vor einigen Wochen eingestürzte Kölner Stadtarchiv) kommt vor.

“Aus Rache” ist auf jeden Fall ein schwuler Kriminalroman, der süchtig macht: Ich fände es prima, wenn Plasberg und Brinkhoff in Serie gingen und demnächst noch mehr Fälle lösen würden…. Also bitte, lieber Jan Stressenreuter: MEHR DAVON!!!!

 

Der Roman Kindsköpfe handelt von einem schwulen Paar, das um das Sorgerecht für die Kinder der verstorbenen Schwester des einen Partners kämpft. Kriss Rudolph, Jahrgang 1971, ist mit diesem Buch ein wahres Meisterwerk an Kreativität und Umsetzungsvermögen gelungen. Seine Charaktere sind detailliert ausgearbeitet, die Schauplätze liebevoll gestaltetet und die Handlung folgt einem klar verständlichen Geschichte, die ans Herz geht.

Obwohl die Geschichte voller Humor erzählt wird – besonders die leicht chaotische Ader seines Protagonisten Niklas sticht hervor – verliert Kindsköpfe dennoch niemals die Ernsthaftigkeit des Themas. Auf diese Weise entsteht bereits auf den ersten Seiten eine Verbindung zwischen dem Leser und der handelnden Figuren. Kindsköpfe ist wirklich ein Buch voller Wortwitz und emotionaler Gelegenheiten, dass man unbedingt gelesen haben muss!

Der Autor Kriss Rudolph lebt und schreibt in Berlin, sitzt jedoch auch regelmäßig in Köln vor einem WDR-Mikrofon. 2005 erschien bei Fischer seine Romantic Comedy Das Beste von heute, und im folgenden Jahr Unsterblich kopiert, welches für den DELIA-Literaturpreis nominiert wurde, und zu guter Letzt auch noch der komisch-böse Roman Heute ziehst du aus.

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