Anita Konstandin – Morgen früh, wenn Gott will

Ein Beitrag gegen Homophobie in Form eines Kriminalromans: Die Autorin Anita Konstandin hat einen Roman geschrieben, in dem ein schwuler Ermittler und Held vorkommt: Fabio Lavelli.

Schwuler Kriminalroman
Schwuler Kriminalroman

Der Schrecken beginnt, als eine Frau ihren verstorbenen Hund im Wald begraben will. Sie findet eine Leiche, bei deren Anblick es selbst den härtesten Polizisten der Stuttgarter Mordkommission die Kehle zuschnürt. Es liegt keine Vermisstenmeldung vor, die Kollegen stehen vor einem Rätsel. Kriminalhauptkommissarin Corry Voss leitet die Ermittlungen. Zusammen mit ihrem Kollegen Fabio Lavelli und der Staatsanwältin Arlet Cronmüller verfolgt sie eine Spur des Grauens, die von Stuttgart nach Barcelona führt. Vor ihren Augen öffnet sich ein Abgrund aus Liebe und Einsamkeit, Wut und Verzweiflung. Und jetzt geraten auch die beiden Kommissare in Lebensgefahr.

Falls Ihr jetzt denkt: oje, Stuttgart…. Fleur Hummel von der Einkaufszentrale für Bibliotheken meint am Ende ihrer Rezension: „Das Stuttgart-Flair ist eher zurückhaltend, sodass der spannende Krimi überregional empfohlen werden kann.“

Jamie O’Neill – Im Meer, zwei Jungen

Der Roman “Im Meer, zwei Jungen” von Jamie O’Neill spielt im Irland des Jahres 1915: In heute kaum noch zu lesender epischer Sprache, dichtet der irische Schriftsteller und Journalist auf 700 Seiten eine Geschichte, in deren Mittelpunkt der 16-jährige Krämersohn Jim und der Arbeiterjungen Doyler stehen. Während um sie herum politische Unruhen brodeln, verlieben sich die zwei Jungen ineinander. Täglich treffen sie sich an einem Badefelsen an der Küste Dublin. Dort schließen sie einen Pakt: Doyler soll Jim das Schwimmen beibringen. Denn am nächsten Ostersonntag wollen sie zusammen zu den Felsen der Muglins schwimmen und die irische Fahne hissen. Doch dann werden die beiden Jungen von der Realität eingeholt, und die politischen Konflikte drohen, sie wieder auseinanderzureißen. …

Beim Lesen fühlt man sich unweigerlich an den Einfluß der großen irischen Schriftsteller wie Joyce und O’Brien erinnert, doch Jamie O’Neill findet durchaus seinen eigenen Stil. Mit “Im Meer, zwei Jungen” ist ihm sein eigenes Meisterwerk trefflich gelungen, das nicht nur schwule Leser endlich wieder dazu bringen kann, ungeniert zu lachen und zu weinen. Der Roman ist in einer sehr bildreichen Sprache geschrieben, sämtliche Protagonisten wurden akzentvoll gezeichnet, so dass man sie einfach ins Herz schliessen muss! Allerdings muss ich an dieser Stelle zugeben, dass es eine Weile dauert, bis man sich eingelesen hat. Denn der Autor lässt sich viel Zeit, bis sich die Handlung langsam und auf verschiedenen Erzählebenen entwickelt. Doch das Weiterlesen lohnt sich, denn Jamie O’Neill ist mit “Im Meer, zwei Jungen” eine äußerst schöne und glaubwürdige Erzählung gelungen. Endlich wieder Literatur mit einem schwulem Thema – und dennoch ist Schwulsein kein Thema: Das Buch ist einfach nur wunderbar und höchst empfehlenswert. Das Epos über Liebe und Freiheit erinnert an Klassiker wie Oliver Twist und Tom Sawyers und braucht sich hinter diesen nicht zu verstecken.

Andreas Bertram – Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick

Ein Leser dieses Blogs schrieb mir neulich, dass ich auf diesen Seiten zu viel schwere Kost vorstellen würde. Also habe ich mir die Bitte, doch auch mal wieder etwas leichtere, fröhliche schwule Lektüre vorzustellen, zu Herzen genommen. Wie wäre es zum Beispiel mit “Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick von Andreas Bertram?

Das Buch hinterlässt beim Leser ein sonniges, beschwingtes Gefühl und garantiert ein heiteres Lesevergnügen. Ich musste bei beim Lesen jedenfalls mehrmals laut lachen. Doch worüber Handelt die Geschichte eigentlich?

Wie so viele schwule Männer sucht auch Andy einen Partner für’s Leben, Als durchschnittlich gut aussehener Buchhändler, der in den letzten Monaten zu viel Schokolade gefuttert hat, ist dies jedoch nicht die leichteste Lebensaufgabe. Trotzdem – oder besser gesagt: gerade deshalb! – lässt er sich auf eine heimliche Affäre mit dem attraktiven Seifenopern-Star Manuel ein, obwohl dieser ihm in der Vergangenheit schon einmal das Herz gebrochen hatte. Gleichzeitig macht Andy jedoch Bekanntschaft mit dem Polizisten Robert. Als hätte er mit seinem eigenen Gefühlschaos noch nicht genug Probleme, verstrickt ihn sein bester Freund in ein turbulentes Eifersuchtsdrama, in dem ein haareschneidender Latinosexgott, ein russisches Busenwunder und eine Transgender-Wahrsagerin eine nicht unbedeutende Rolle spielen. In Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick schildert der Autor einen Antihelden im Wirrwarr seines Liebeslebens, den man bereits nach wenigen Seiten ins Herz geschlossen hat.

Wer Popcornliteratur mit viel Witz, Charm und einem Hauch Romantik sucht, sollte bei diesem Buch unbedingt zugreifen. Der Autor Andreas Bertram ist gebürtiger Sauerländer, absolvierte in jungen Jahren eine kaufmännische Ausbildung und startete anschließend kurze, jedoch unbefriedigende Karriere im öffentlichen Dienst. Nach seinem Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg lebt Andreas Bertram heute abwechselnd in Bayern und im Sauerland, schreibt Drehbücher und Beiträge für einen Film-Blog.

Jan Stressenreuter – Wie Jakob die Zeit verlor

Egal, ob man schwul oder hetero, Mann oder Frau ist – dieses Buch sollte man auf jeden Fall gelesen haben, wenn man sich eine Eindruck darüber verschaffen möchte, was die Immunschwächekrankheit AIDS in den vergangenen Jahrzehnten angerichtet hat. Auf beeindruckende Weise geht der Autor Jan Stressenreuter äußerst sensibel und gleichzeitig unterhaltsam mit diesem schwierigen Thema umgeht, ohne dabei weinerlich zu wirken.

In den 1990er Jahren wütete ein damals noch unbekanntes Virus unter den Homosexuellen in den USA, und kurze Zeit später auch in Europae. Schnell wurde von einer “Schwulenpest” oder “Schwulenseuche” gesprochen, deren erstes prominenteste Opfer der Schauspieler Rock Hudson wurde. Etwa zur selben Zeit treffen sich Jakob und Marius im Darkroom eines Kölner Clubs und verlieben sich ineinander. In der Bundesrepubik Deutschland regiert Helmut Kohl und in der damaligen Sowjetunion führt Michail Gorbatschow mit Perestroika und Glasnost einen politischen Wandel herbei. In der schwulen Szene dagegen ist dies die Äre der schnauzbärtigen Ledermänner, von Frankie Goes to Holly wood und ungehemmter Promiskuität – bis AIDS plötzlich alles ändert.

Mehr als zwanzig Jahre danach droht Jakobs Beziehung zu seinem Freund Arne zu scheitern: Nach einem Streit, in dem Arne Jakob vorwirft, den Tod von Marius nicht verarbeitet zu haben, verlässt er die gemeinsame Wohnung und verschwindet aus Jakobs Leben. Als sich Jakob auf Spurensuche begibtm, erhält er unerwartete Hilfe von dem 23-jährigen Philip. Dieser macht ihm deutlich, dass man im neuen Jahrtausend auch anders mit einem positiven HIV-Testergebnis umgehen kann.

Der Autor Jan Stressenreuter wurde im Jahr 1961 in Kassel geboren. Nachdem er in der Nähe von Düsseldorf aufwuchs, lebt er heute mit seinem Freund in Köln.

Sebastian Benedict – Operation Fledermaus

Wer einen schwulen Krimi mit realistischer Handlung sucht, ist mit “Operation Fledermaus” gut beraten. Worum geht es? Die Geschichte dieses gelungenen Kriminalromans spielt im Vorstadt-Wien, genauer gesagt im Wiental von 1932. Der Dow Jones steht bei 48 Punkten, Hunderttausende sind arbeitslos. Es wird gestohlen, betrogen, unterschlagen, geraubt, gemordet und erpresst, um zu überleben. Als Lehrlinge und Schüler verschwinden, übt sich die Polizei in Beschwichtigungen. Selbst als einige der Jugendlichen tot aufgefunden werden, wird nicht ermittelt. Der Vater eines der Opfer will das nicht hinnehmen. Er beauftragt Ferdinand Nowak, einen Kaffeehaus-Detektiv ohne Büro und Konzession, den Tod seines Sohnes aufzuklären. Die Spur des Verbrechens führt Nowak in Cafés und Wirtshäuser der Halbwelt rund um den Naschmarkt, in elende Arbeiterquartiere und bürgerliche Vorstadtvillen, ins Polizeipräsidium, auf den Landsitz eines verrufenen Großindustriellen und in die Glitzerwelt der Operette. Die jungen Männer lockte offenbar das schnelle Geld für ihre körperlichen Reize. Doch deren Vermarktung im neuen Medium Film wurde ihnen zum Verhängnis. Gemeinsam mit einem väterlichen Freund, seinem jungen Geliebten und einem Burschen vom Theater gelingt es Nowak, den Todesfall aufzuklären und ein übles Netzwerk zu enttarnen.

Der Autor Sebastian Benedict wurde im Jahr 1944 in Wien geboren und scheint die Handlung seines Kriminalromans minuziös recherchiert zu haben. Als Leser taucht man nämlich unverzüglich in das damalige Wien ein.

Jeffery Self: 50 Shades of Gay

Der Roman 50 Shades of Gay handelt von dem schüchternen Studenten Alex Kirby: Der Junge ist 24 Jahre alt, aber immer noch Jungfrau – und das in L.A.! Dann lernt Alex bei einem Interview jedoch den charismatischen und blendend aussehenden Hollywood-Star Taylor Grayson kennen und nichts ist mehr wie vorher, denn der Schauspieler führt ihn ein in die faszinierende Welt der Liebe, in welchem Dominanz und Unterwerfung beim Sex eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Dabei möchte Alex den Filmstar eigentlich nur dazu bringen, sich zu seinen wahren Gefühlen zu bekennen – oder?

Der erst 1987 geborene Jeffery Self – der Autor von 50 Shades of Gay – ist selbst Schauspieler, Schriftsteller und Video-Blogger. Er spielte schon in vielen bekannten Filmen und Fernsehserien eine Rolle, darunter so klangvolle Namen wie 30 Rock, Desperate Housewives und 90210. Mit Jeffery & Cole Casserole haben er und sein Partner Cole Escola sogar seine eigene Comedy-Show. Erste Berühmtheit landeten die beiden mit lustigen, viralen Videos unter the YouTube-Kanalr VGL (Very Good Looking) Gay Boys. Außerdem schreibt Jeffery Self regelmäßig für Magazone wie zum Beispiel The Advocate und die Huffington Post. 50 Shades of Gay ist jedoch sein erster Roman.

Martin M. Falken: Zusammenstöße

Hier in der westfälischen Provinz schneit es schon wieder – der Winter 2012/2013 scheint einfach kein Ende nehmen zu wollen. Andererseits bietet sich mir so die Gelegenheit, mir noch einige gemütliche Abende mit warmer Literatur vor dem heimischen Kamin zu machen. Besonders heiß geht es ja zumeist in Romanen über eine junge, schwule Liebe zu – und bildet “Zusammenstöße” des Autors Martin M. Falken keine Ausnahme.

Der Zehntklässler Marc verliebt sich nacheinem Zusammenstoß auf dem Fahrrad (daher der Titel des Buchs) in den etwas älteren Krankenpfleger David. Während Marc bisher glaubte, er könne gar keine Liebe verspüren, da er sich nicht zu Mädchen hingezogen fühlte, wird ihm mit einem Schlag klar, dass er auf Männer steht. Das Buch schildert, wie sich Marc gegenüber seiner Familie und in seinen engsten Freunden outet und dabei sowohl positive als auf negative Erfahrungen sammelt – um am Ende jedoch selbstbewusst zu seiner Homosexualität stehen zu können.

„Zusammenstöße“ ist im Himmelstürmer-Verlag erschienen und eines der Bücher, die dem Leser mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Alexander Niel: Die Hütte im Wald

Viele (junge) Schwule zieht es auch heute noch vom Dorf in die Stadt. Sie möchten dem spießigen Dorfleben entfliehen und glauben, nur in der schnelllebigen Gay-Szene der Großstadt ihre schwule Sexualität ausleben und die große Liebe finden zu können. Ob dies der richtige Weg ist sei dahingestellt – aus eigener Erfahrung würde ich eher das Gegenteil behaupten. Aber darum geht es in diesem Blog-Beitrag natürlich nicht. Stattdessen möchte ich meinen Lesern nach längerer Sendepause endlich wieder einen neuen schwulen Roman vorstellen.

Der fiktive Roman “Die Hütte” im Wald von Alexander Niel erzählt eine schwule Liebesgeschicht auf dem Dorf. Der 16-jährige Markus wächst in einem Dorf in der Eifel auf. Dort verliebt er sich in Ralf, den fast doppelt so alten Trainer seiner Fußballmannschaft. Das Problem: Ralf ist verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Doch als Markus sich schweren Herzens dazu entschließt, sich die Liebe zu seinen Fußballtrainer besser aus dem Kopf zu schlagen, dämmert ihm, dass auch Ralf Gefühle für ihn zu haben scheint. Dies ist der Beginn einer heimlichen Liebe in der deutschen Provinz. Durch einen unglücklichen Zufall erfährt jedoch Markus beste Freundin von Markus’ schwuler Beziehung mit dem verheirateten Familienvater und Ralfs schlimmste Befürchtungen werden plötzlich real. Nun heißt es für die Männer, sich selbst zu behaupten – und zwar nicht nur gegenüber dem Geliebten, sondern auch der Familie und dem Dorf.

Dirk Händel – Das Seminar: Die Angst und ihre Berechtigung

Ein lieber Freund hat mich auf das Buch “Das Seminar: Die Angst und ihre Berechtigung” von Dirk Händel aufmerksam gemacht. In dem Roman geht es um e”ine Diva, zwei schwule Freunde, einen Gott in Menschengestalt, eine betrogene Ehefrau und weitere einzigartige, dennoch tragische Gestalten”. Diese beeindruckende Ansammlung von Charakteren trifft im Seminar “Die Angst und ihre Berechtigung” zusammen, welches dem Buch auch seinen Titel gibt. In dem (fiktiven?) Seminar sowie in der Handlung des Romans geht es um unsere innersten Ängste, die uns im täglichen Leben oft im Wege stehen. Was auf den ersten Blick nach düsterer Lektüre Klingt, entpuppt sich beim Lesen als gelungene Kombination aus Spiritualität und Komik. Als Leser lernt man nicht nur viele nützliche Weisheiten kennen, sondern kann zwischendurch auch aus vollem Halse lachen.

Der Autor Dirk Händel sammelte nutzte für das Schreiben dieses Romans seine beruflichen Erfahrungen: Laut seiner interessanten Homepage ist der Experte in den Bereichen “Familienaufstellungen, verschiedenen Therapiemethoden, langjähriger Energiearbeit, Coachings, Rückführungen, Wahrnehmungsschulungen, Sitzungen, Workshops” und genoss Ausbildungen bei verschiedenen Medien.

John Boyne – Das späte Geständnis des Tristan Sadler

Der irische Schriftsteller John Boyne wurde 1971 in Dublin geborden und feierte seinen internationalen Durchbruch mit dem Roman Der Junge im gestreiften Pyjama, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und sogar für das Kino verfilmt wurde. Nun ist sein neuer Roman “Das späte Geständnis des Tristan Sadler” erschienen.

Die Handlung spielt im September 1919 in London. Der junge Tristan Sadler steigt in einen Zug nach Norwich, um sich dort mit der Schwester seines gefallenen Kriegskameraden Will zu treffen. Er berichtet Ihr von den grausamen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg: Die erste Begegnung mit Will im Ausbildungslager, das Leben und Sterben im Grabenkampf, aber auch von der Freundschaft und dem Vertrauen, das sich die beiden jungen Männer schenkten. Der Leser ahnt schnell, dass die Zuneigung zwischen den beiden jungen Soldaten nicht nur Freundschaft, sondern Liebe war – und der Auslöser einer Tragödie.

John Boyne schildert in seinem Buch “Das späte Geständnis des Tristan Sadler” nicht nur schonungslos die ungeheuerlichen Schrecken des Krieges, sondern auch, wie Will versuchte, unter unmenschlichen Bedingungen einen Rest von Menschlichkeit zu bewahren.