Wer sich für Situation von Schwulen im KZ interessiert, dem kann ich dieses Buch wirklich nur wärmstens empfehlen. Auch wenn die in diesem Buch geschilderten Schicksale schwuler Männer im dritten Reich traurig und wahr sind, bleiben die Autoren Joachim Müller und Andreas Sternweiler dabei aber immer nüchtern und sachlich. Das Buch Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausenversucht eine chronologische Darstellung der Situation im KZ Sachsenhausen wiederzugeben. Belegt wird dies durch Einzelschicksale. Dadurch bekommen die Opfer nicht nur ein Gesicht, sondern auch einen Namen. Die Berichte sind wirklich sehr bewegend und wirken lange nach. Das Buch macht die Sonderstellung der Homosexuellen in der Lagerhierarchie deutlich und geht auch auf die Sonderbehandlung durch die SS ausführlich ein.
Mit Erstaunen stellte ich allerdings auch fest, dass es bis 1939 anscheinend durchaus noch ein Entkommen aus dem Konzentrationslager gab. Erst Ende 1939 jedoch wurde der Aufenthalt im KZ jedoch zur Hölle auf Erden. Dem einen oder anderen Leser werden sicherlich unweigerlich die Tränen wegen der Unfassbarkeit der dort geschehenen Dinge, die denen der Juden mit Sicherheit in nichts nachstehen, in den Augen stehen …
Das Buch kann den Leser außerdem auch auf einen Besuch der KZ Gedenkstätte gut vorbereiten. Vor Ort fallen einem dann unweigerlich der ein oder andere Bericht wieder ein, worauf man aber auch sehr angewiesen ist, denn die Infotafeln der KZ Gedenkstätte halten sich in Bezug auf die Verfolgung Homosexueller immer noch sehr zurück bzw. sind noch arg von sozialistischen Sichtweisen geprägt.
Wer daraufhin auch am Alltag der Homosexuellen im Dritten Reich vor ihrer Verhaftung interessiert ist, sollte sich auch das Buch “Wegen der zu erwartenden hohen Strafe . . .” ansehen.