John Devine würde am liebsten aus Kilcody, einem irischen Provinznest, abhauen. Weg von seiner ewig besorgten, kettenrauchenden Mutter Lily, die ihn mit morbiden Bibelsprüchen erzieht. Doch dann tritt eines Tages der coole Jamey Corboy in sein Leben: Dieser Junge ist zwar nur ein Jahr älter als John, hat aber mehr Stil als ganz Kilcody zusammen, Rimbaud in der Manteltasche und gute Beziehungen zu finsteren lokalen Gangstern. Von einem Augenblick zum anderen ist Johns Leben voller Möglichkeiten – und schnell tuscheln die Bewohner des kleines Ortes, dass Jamey schwul ist und die beiden Jungen ein Verhältnis miteinander haben.

Der Musik-Journalist Peter Murphy kombiniert in seinem Debut-Roman “Ich, John” (Originaltitel “John The Revelator” – weiß jemand, ob der Titel etwas mit dem gleichnamigen Song von Depeche Mode zu tun hat?) einen hypnotischen Erzählstrom mit der unheimlichen Stimmung eines Tim-Burton-Films. Auch wenn der Roman amüsant zu lesen ist, durchzieht ein morbider Hauch von Gospel-Blues und Nick Cave dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite.

 

Das Buch Eine Welt dazwischender jungen belgischen Schriftstellerin Aline Sax handelt von einer belgischen Familie, welche wie Tausende andere Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Richtung einen Neubeginn in Amerika wagen wollte. Allerdings können auf Grund einiger Probleme nicht alle Familienmitglieder das gelobte Land betreten, sondern nur Adrian, ein Sohn der Familie, kann nach New York einreisen und muss sich in der großen, fremden Stadt zunächst ohne Unterkunft und Job vollkommen alleine und auf sich gestellt durchschlagen. Mit der Zeit findet der Junge jedoch Gefallen an dem Großstadtleben New Yorks und lernt schließlich Jack, einen jungen Hotelportier, kennen und lieben. Das Buch schilder auf eine ganz wunderbare Weise die zunächst vorsichtige Annäherung Adrians an das eigene Geschlecht und erläutert auch die Heimlichtuerei und das ständige Auf-der-Hut-sein, da die homosexuelle Liebe im Amerika des frühen 20. Jhdts erwartungsgemäß sehr geächtet ist.

Aufmerksam geworden auf dieses wunderbare Buch bin ich durch den WDR2-Buchtipp am Sonntagmorgen. Die Begeisterung der Redakteurin wirkte ansteckend, und ich bin nicht enttäuscht worden.

 

Jeder kennt wahrscheinlich den Film Milk, mit Oscar-Gewinner Sean Penn in der Rolle des schwulen Politikers Harvey Milk. Nach dem ich den Film über Harvey Milk gesehen hatte, habe ich mir dieses Buch gekauft und es auf keinen Fall bereut! Das Buch beinhaltet nicht nur eine sehr detailierte Biographie des schwulen Politikers, sondern im hinteren Teil des Buches Harvey Milk – Ein Leben für die Communityfindet man Harvey Milk’s politisches Testament und seine wichtigsten Reden, wie z. B. auch die berühmteHoffnungsansprache!

Dieses Buch ist wirklich sehr zu empfehlen, besonders weil es fantastische Einblicke in eine für Homosexuelle äußerst schwierige Zeit gibt. Zudem gewährt das Buch auch eine Menge psychologischer Einblicke: So wird beispielsweise erklärt, wieso Harvey Milk von Dan White ermordert wurde. Durch seine jahrelangen Recherchen und seinen Enthusiasmus hat der Jopurnalist Randy Shilts wirklich ein sehr außergewöhnliches Werk geschaffen, welches auch gleichzeitig als Vorlage für das Drehbuch des Kinofilms “MILK” diente. Der Oskar für das beste Drehbuch ist also diesem wirklich erstaunlichen Buch zu verdanken! Besonders empfehlenswert für alle Homosexuellen Menschen auf dieser Welt, denen noch Hoffnung gegeben werden muss, um das mit Harvey Milks Worten auszudrücken! Ein motivierendes Werk nicht nur für Homosexuelle!!

 

Die Epoche der DDR war nach 41 Jahren ein abgeschlossenes Kapitel. Und obwohl der Fall der Mauer sich in diesem Jahr auch bereits zum 20. Mal jährt, ist die Geschichte der Homosexuellen in der DDR noch nicht niedergeschrieben worden. Das Buch Homosexualität in der DDR. Materialien und Meinungen bietet nun Materialien und Meinungen zu diesem Thema: Bert Thinius schildert in seinem Buch Erfahrungen schwuler Männer in der DDR, Olaf Brühl hat eine subjektive Chronologie des Diskurses über männliche Homosexualität in Ostdeutschland zusammengestellt und Florian Mildenberger schildert die Metamorphosen eines in der DDR und in der BRD-neu hoch geehrten Wissenschaftlers: Günter Dörner (“Ratten-Dörner”). Besonders interessant zu wissen: Die Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik interessierte sich nicht erst in den 80er Jahren für die Homosexuellen, sondern machte sich schon in den 50er und 60er Jahren Gedanken darüber, welche “Typen von Homosexuellen” nachrichtendienstlich von Interesse waren.

 

Die Sängerin Alexandra – deren Todestag sich an diesem 31. Juli zum 40. Mal jährt – ist mir ihrer dunklen, rauchigen, unverwechselbaren Stimme und unvergessenen Hits wie zum Beispiel “Zigeunerjunge”, “Sehnsucht” oder “Mein Freund, der Baum” unsterblich geworden. Doch die im Jahre 1969 tödlich verunglückte Sängerin Alexandra wurde nicht einmal 30 Jahre alt und somit viel zu früh zu einer wahren Legende. Um Ihren Tod ranken sich derweil viele Gerücjte und Verschwörungstheorien: War es nur ein gewöhnlicher Autounfall, bei dem Alexandra und ihre Mutter auf Sylt ums Leben kamen (ihr kleiner Sohn überlebte den Unfall übrigens nahezu unverletzt) oder steckte ein Mordkomplott dahinter? Wer war diese wunderschöne Frau, der als einer der wenigen deutschen Schlagersängerinnen eine weltweite Karriere gelang?

Der Journalist Marc Boettcher wirft mit seinem Buch “Alexandra – Die Legende einer Sängerin” einen Blick hinter die Kulissen des Showbusiness der 60er Jahre und geht den Geheimnissen um Alexandras Leben und Tod auf den Grund. Dabei begegnen dem Leser viele andere Showgrößen aus dieser Epoche, zum Beispiel Udo Jürgens, Adamo, Lou van Burg, Roy Black, Vicky Leandros, Rex Gildo, Fred Weyrich und Hans Beierlein, die die große Alexandra bei ihrem Senkrechtstart in den Schlagerhimmel begleiteten, aber wir erfahren auch etwas über die Einsamkeit, in der sie sich befand, als der Tod sie überraschte.

 

Viele vermeintliche heterosexuelle Männer verheimlichen ihr wahres Ich und fühlen sich in Wirklichkeit zu Männern hingezogen. Viele Familienväter suchen in Cruising-Areas oder auf Autobahnparkplätzen nach dem schnellen Sex mit einem anderen Mann. Manche schwule Familienväter trifft man sogar in Gay-Saunen oder in Pornokinos auf der Suche nach Männersex. Und manche dieser Männer wagen sogar eines Tages den großen Schritt, und verlassen Frau und Kinder, um endlich ihr schwules Leben ausleben zu können. In dem Buch Mein Mann liebt einen Mann. Wie Frauen das Coming-out ihres Partners bewältigen berichten Frauen, denen genau dies passiert ist, über ihre Gedanken und Gefühle.

Für viele Frauen bricht mit dem Coming-out des Partners zunächst eine Welt zusammen – was ich durchaus nachvollziehen kann: Zum einen sind sie (sexuell) betrogen worden – zum anderen hat der Mann, den sie liebten, ihnen nur etwas vorgespielt und liebt sie überhaupt nicht. Denn ihr Ehemann ist schwul. Diese Frauen sind in ihrer Weiblichkeit tief verletzt und müssen sich in einemvwahren Gefühlschaos zurecht finden. Im Gegensatz zu einer Frau, deren Mann sie mit einer anderen Frau betrogen hat, besteht bei den Frauen, deren Mann sie mit einem anderen Mann betrogen hat, kaum Hoffnung auf Rückbesinnung oder sexuellen Treue ihres Partners. Nicht nur ihre Gegenwart und Zukunft ihrer Partnerschaft sind plötzlich in Frage gestellt, besonders auch die Vergangenheit ihrer Ehe oder Beziehung erscheint nun in einem vollkommen anderen Licht. Was war echt? Was nur vorgetäuscht? Die Erkenntnis, mit einem teilweise Fremden gelebt zu haben, zieht rückblickend auch die schönen Momente in Zweifel.

Die Autorin Bettina von Kleist war selbst davon betroffen und hat mit diesem Buch voller Interviews mit anderen betroffenen Frauen ein brisantes und überfälliges Thema aufgegriffen.

 

Ein homoerotischer Fantasy-Roman ist auf jeden Fall eine Besonderheit auf dieser Seite: Mit spannenden Worten entführt uns Simon Rhys Beck in Magierblut – Die Dämonen des Caskáranauf eine abenteuerliche Reise durch ein Land der Magie.

Wie in den meisten guten Fantasyromanen wimmelt es auch in Magierblut – Die Dämonen des Caskáran von Intrigen, machthungrigen Brüdern oder einer rachsüchtigen Stiefmutter und die Spannung baut sich von der ersten Seite an auf, hält sich durch das ganze Buch hindurch und gipfelt schließlich in einer Überraschung, als man die Täter findet und das Geheimnis um Bennet gelüftet wird. Selbstverständlich kommt auch die schwule Erotik in dem Story nicht zu kurz, und manchmal muss der Leser Angst haben, dass die Seiten des Buches vor lauter Hitze Feuer fangen könnten.

Die beiden Hauptcharaktere Zeth und Bennet sind zwei Mannsbilder, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, und dennoch fühlen sich die beiden Kerle vom ersten Augenblick an zueinander hingezogen. Es knistert vor Erotik zwischen den beiden Männern und der Leser will auf jeder Seite des Romans wissen, wie es mit Bennet und Zeth weitergeht. Im Laufe der Handlung geraten sie in viele Gefahren und Intrigen, die ihre Liebe auf eine harte Probe stellen. Doch bis sie erkennen, dass ihre Liebe und das Schicksal sie für immer zusammengeschweißt haben, müssen sie zahlreiche Hürden meistern.

 

Der Roman Karanvon Sonju DiCarmen erzählt von einem jungen Halbinder/Halbengländer namens Karan, der bei seiner aufreibenden Jobsuche in London auf den charismatischen Dev trifft. Selbstverständlich ahnt Karan nicht, dass es sich bei diesem um den schüchternen Sohn des Besitzers des Jadoo-Theaters handelt, bei dem er sich am nächsten Tag – erfolgreich – vorstellen möchte.

Zwar plant Dev, in wenigen Tagen nach Indien zu fliegen, um seine Familie nachzuholen, doch nichtsdestotrotz lädt Karan ihn ein, bei ihm zu übernachten. Dabei verliebt sich Karan in Dev, und obwohl er sich geschworen hat, es Dev niemals zu sagen, ist es dem unglücklichen jungen Mann an diesem Abend nicht mehr möglich, seine Gefühle für Dev zu verstecken. Karan gesteht seinem Angebeteten seine Homosexualität und beichtet ihm sogar, dass er sich zu ihm hingezogen fühlt. Dev beschließt überraschender Weise, Karan sein „erstes Mal“ zu schenken, stellt aber dabei klar, dass er verheiratet ist und sie nur diese eine Nacht miteinander haben werden. Doch natürlich kommt alles ganz anders: Die beiden Männern verlieben sich ineinander. Aus unterschiedlichen Gründen stehen jedoch beide nicht zu ihren Gefühlen, so dass sie am nächsten Tag schweren Herzens voneinander Abschied nehmen mit der Absicht, in Zukunft bei der gemeinsamen Arbeit im Theater Freunde zu sein.

Das Buch Karan zeigt dem Leser, dass Homosexualität nicht immer nur die Gier nach schnellem Sex ist, sondern es erzählt sehr eindrucksvoll und gefühlvoll die Verwirklichung der eigenen Liebeswelt bzw.- vorstellung.

So interessant wie die Geschichte dieses schwulen Romans klingt auch der Lebenslauf der Autorin Sonju DiCarmen: Diese wurde 1976 in der Nibelungenstadt Wormsgeboren und arbeitet zur Zeit als Handelsfachwirtin im Bereich BWL & Insolvenzen. Sie machte einen Abschluss im Bereich Business-Sprachen an der LCCI London und kann berufliche Einsätze als Assistentin im Exportgeschäft vorweisen. Außerdem arbeitete sie fast acht Jahre lang in einem Vollzeitjob als Prokuristin und leitete nebenbei ihr eigenes Wellness-Studio. Den Roman schrieb sie als Ausgleich zu ihrem von Zahlen dominierten Leben.

 

Ob Michael Jackson nun schwul, hetero oder asexuell war, werden wir wohl nie mehr erfahren, denn seit gestern weit der King of Pop nicht mehr auf diesem Planeten. Gerade eben habe ich im Fernsehen noch einmal sein legänderes Konzert der Dangerous-Tour in Bukarest gesehen und das hat mir erst wieder in Erinnerung gebracht, was man durch all die Klatsch- und Tratschgeschichten der Medien schon längt vergessen hatte: Was für ein begnadeter Sänger, Tänzer und Musiker Michael Jackson gewesen ist. Bei seiner Performance passte jede kleinste Bewegung perfekt zur Musik, wie ein Wirbelwind fegte er über die Bühne und tanzte in seiner typischen Mischung aus James Brown, Fred Astaire und eines Roboters.

Wer wissen will, wie Michael Jackson wirklich dachte, der sollte Moonwalk. Mein Leben unbedingt lesen. Es ist zwar bereits aus dem Jahr 1989, aber darin kann man alle Ereignisse bis zu diesem Zeitpunkt aus der Sicht des größten Entertainers aller Zeiten noch einmal nachlesen. Wirklich empfehlenswert!

 

Der Autor Jan Stressenreuter wurde 1961 in Kassel geboren, aufgewachsen istr er jedoch in der Nähe von Düsseldorf. Mittlerweile lebt er mit seinem Freund in Köln, wo auch sein Kriminalroman “Aus Rache” spielt. Jan Stressenreuter liebt Bücher, Popmusik und vor allen Dingen die siebziger Jahre.

Aus Rachehandelt von Hauptkommissarin Maria Plasberg , die vor einem schwierigen Fall steht. Ihr Partner im Dienst ist einer der wenigen offen schwul lebenden Beamten im Kölner Polizeidienst. Zusammen versuchen die beiden dem Mord an Axel Borowsky auf den Grund zu gehen, welcher mit zwei Messerstichen bestialisch ermordet wurde. Dabei gelingt es Jan Stressenreuter auf grandiose Weise, die gängigen Köln-Klischees zu vermeiden und stattdessen ein Köln-Feeling zu vermittelt, das bedeutend ehrlicher und realistischer daherkommt und auf diese Weise dem tatsächlichen kölschen Lebensgefühl weit mehr entspricht. Trotzdem – oder besser gesagt gerade deswegen – entsteht auf diese Weise ein hoher Wiedererkennungseffekt. Sogar der berüchtigte U-Bahnbau (man erinnere sich an das vor einigen Wochen eingestürzte Kölner Stadtarchiv) kommt vor.

“Aus Rache” ist auf jeden Fall ein schwuler Kriminalroman, der süchtig macht: Ich fände es prima, wenn Plasberg und Brinkhoff in Serie gingen und demnächst noch mehr Fälle lösen würden…. Also bitte, lieber Jan Stressenreuter: MEHR DAVON!!!!

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