Hinter den schwulen Lachern: Homosexualität bei den Simpsons

Homosexualität bei den Simpsons: Die erfolgreiche US-Zeichentrickserie “Die Simpsons” erfreut sich seit mehr als 20 Jahren auch unter Schwulen und Lesben einer großen Beliebheit. Kein Wunder, richten sich doch viele Episoden über Homer, Marge, Lisa und Bart Simpson mit ihren satirischen Beiträgen zu politischen und gesellschaftlichen Themen nicht nur an Kindern, sondern auch an erwachsene Zuschauer. Dabei spielt das Thema Homosexualität immer wieder eine wichtige Rolle bei den Simpsons. Jeder Mann weiß zwar, dass Familienoberhaupt Homer Simpson mit seiner Marge mehr oder weniger glücklich verheiratet ist – aber hätten Sie gedacht, dass Homer schon mehr als 50 Männer auf den Mund geküsst hat? Oder hätten Sie geahnt, dass in der TV-Serie über 490 schwul-lesbische Szenen und mehr als 70 schwule und lesbische Charaktere auftraten? Auch viele schwule und lesbische Stars hatten bereits Gastauftritte bei den Simpsons, beispielsweise Sänger Elton John, Schriftsteller Oscar Wilde, Künstler Andy Warhol oder Moderatorin Ellen Degeneres.

In dem Buch Homosexualität bei den Simpsons hat Erwin In het Panhuis – ein Bibliothekar aus Köln – anhand der ersten 500 Folgen der Serie analysiert, wie sich die Simpsons zu schwulen und lesbischen Themen positionieren. Dabei stellt der Autor nicht nur viele Zeichentrickfiguren mit ihrer recht flexiblen sexuellen Orientierung vor, sondern nimmt auch etwa 200 popkulturelle Referenzen, wie zum Beispiel Musik- und Filmtitel, kritisch unter die Lupe, dokumentiert Fälle von Zensur nimmt einen Vergleich mit anderen Fernsehserien, wie z.B. Family Guy vor. Im Ergebnis vermitteln die Simpsons für ein Millionenpublikum ein typisch amerikanisches, aber untypisch aufgeschlossenes Bild von Schwulen und Lesben. Trotz der Rückgriffe auf Klischees ist bei den Simpsons fast immer ein intelligenter, fairer und unterhaltsamer Umgang mit Homosexualität zu beobachten.

Nach Aufklärung und Aufregung: 50 Jahre Schwule und Lesben in der BRAVO aus dem Jahr 2010, ist “Homosexualität bei den Simpsons” das zweite Buch von Erwin In het Panhuis im Archiv der Jugendkulturen Verlag.

Übrigens gibt es zum Buch auch eine eigene Facebook-Seite: https://www.facebook.com/HinterDenSchwulenLachern hat bereits 660 Fans.

Martin M. Falken: Zusammenstöße

Hier in der westfälischen Provinz schneit es schon wieder – der Winter 2012/2013 scheint einfach kein Ende nehmen zu wollen. Andererseits bietet sich mir so die Gelegenheit, mir noch einige gemütliche Abende mit warmer Literatur vor dem heimischen Kamin zu machen. Besonders heiß geht es ja zumeist in Romanen über eine junge, schwule Liebe zu – und bildet “Zusammenstöße” des Autors Martin M. Falken keine Ausnahme.

Der Zehntklässler Marc verliebt sich nacheinem Zusammenstoß auf dem Fahrrad (daher der Titel des Buchs) in den etwas älteren Krankenpfleger David. Während Marc bisher glaubte, er könne gar keine Liebe verspüren, da er sich nicht zu Mädchen hingezogen fühlte, wird ihm mit einem Schlag klar, dass er auf Männer steht. Das Buch schildert, wie sich Marc gegenüber seiner Familie und in seinen engsten Freunden outet und dabei sowohl positive als auf negative Erfahrungen sammelt – um am Ende jedoch selbstbewusst zu seiner Homosexualität stehen zu können.

„Zusammenstöße“ ist im Himmelstürmer-Verlag erschienen und eines der Bücher, die dem Leser mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Alexander Niel: Die Hütte im Wald

Viele (junge) Schwule zieht es auch heute noch vom Dorf in die Stadt. Sie möchten dem spießigen Dorfleben entfliehen und glauben, nur in der schnelllebigen Gay-Szene der Großstadt ihre schwule Sexualität ausleben und die große Liebe finden zu können. Ob dies der richtige Weg ist sei dahingestellt – aus eigener Erfahrung würde ich eher das Gegenteil behaupten. Aber darum geht es in diesem Blog-Beitrag natürlich nicht. Stattdessen möchte ich meinen Lesern nach längerer Sendepause endlich wieder einen neuen schwulen Roman vorstellen.

Der fiktive Roman “Die Hütte” im Wald von Alexander Niel erzählt eine schwule Liebesgeschicht auf dem Dorf. Der 16-jährige Markus wächst in einem Dorf in der Eifel auf. Dort verliebt er sich in Ralf, den fast doppelt so alten Trainer seiner Fußballmannschaft. Das Problem: Ralf ist verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Doch als Markus sich schweren Herzens dazu entschließt, sich die Liebe zu seinen Fußballtrainer besser aus dem Kopf zu schlagen, dämmert ihm, dass auch Ralf Gefühle für ihn zu haben scheint. Dies ist der Beginn einer heimlichen Liebe in der deutschen Provinz. Durch einen unglücklichen Zufall erfährt jedoch Markus beste Freundin von Markus’ schwuler Beziehung mit dem verheirateten Familienvater und Ralfs schlimmste Befürchtungen werden plötzlich real. Nun heißt es für die Männer, sich selbst zu behaupten – und zwar nicht nur gegenüber dem Geliebten, sondern auch der Familie und dem Dorf.

Homosexualität im Tierreich

Heute möchte ich Euch ausnahmsweise mal kein Buch, sondern eine DVD vorstellen: Homosexualität wird von vielen konservativen Kräften häufig als unnatürlich angesehen. Zwar leuchtet mir nicht ein, was daran schlimm sein soll, denn die meisten Dinge, mit denen wir uns im täglichen Leben umgeben, sind unnatürlich (z.B. Autos, Kühlschränke, Kleidung oder große Teile unserer Nahrung ;-)), aber das Thema steht sowieso auch auf einem anderen Blatt…

Dieser Film deckt auf, dass Homosexualität auch im Tierreich existiert! Vor der Tatsache, dass auch Affen, Pinguine, Seelöwen, Delphine oder Hunde und Katzen schwul, lesbisch und bisexuell sein können, haben Wissenschaftler lange Zeit die Augen verschlossen. Doch neuere Studien zeigen, dass über 450 Tierarten homosexuell aktiv sind. Diese Dokumentation präsentiert erstmals die Resultate dieser Untersuchungen und präsentiert dem Zuschauer unterschiedliche Varianten von Homosexualität bei Tieren. Einzigartige Filmaufnahmen zeigen homosexuelles Balzverhalten, Sex, Lebensgemeinschaften und die Aufzucht der Jungen. Dieser Film zeigt somit auf wunderbare Weise, wie normal Homosexualität in der Natur ist. Wer seinen Horizont erweitern möchte und sich für Tierdokumentationen im Allgemeinen oder Homosexualität im Speziellen interessiert, wird von der Dokumentation Homosexualität im Tierreich begeistert sein.

Reinhart Lüddecke: Das bittere Leben des keuschen Paters Hugo

In seinem Buch “Das bittere Leben des keuschen Paters Hugo” schildert Reinhart Lüddecke die Geschichte von den Leiden der Enthaltsameit und den Zweifeln am christlichen Glauben eines Missionars in Afrika.

Schon als Kind war es Hugos größter Wunsch, eines Tages als Missionar nach Afrika zu gehen. Nach der mittleren Reife tritt das adoptierte Waisenkind einem Franziskaner-Oden bei und macht dort sein Abitur. Nach dem Studium der Theologie erfüllt er sich seinen Traum und geht als Missionar in den Süd-Sudan, um die Einheimischen zum Christentum zu bekehren. Im Süd-Sudan Afrika droht nicht nur Gefahr durch die muslimischen Araber aus dem Norden: Auch die sexuellen Triebe machen nicht nur Pater Hugo, sondern auch seinen christlichen Mitstreitern arg zu schaffen. Während Pater Hugo die blanken Brüste einer Afrikanerin zur blutigen Selbstkasteiung treiben, sammelt Pater Sebastian erste Erfahrungen (und Gefallen) im passiven Analverkehr mit dem dunkelhäutigen Lumumba. Als dann auch – noch im Gegensatz zu christlichen Gebeten – der angebliche Voodoo-Zauber des afrikanischen Medizinmanns tatsächlich gegen Krankheiten und Verletzungen zu wirken scheint, zweifeln die Missionare endgültig an ihrem christlichen Glauben.

Der Autor Reinhart Lüddecke wurde im Jahr 1943 in Salzburg geboren und wuchs anschließend in Stockach auf. Nach dem Besuch der Höheren Handelsschule und einer Lehre als Industriekaufmann war er in Zürich in der Elektroindustrie tätig. Danach war er beruflich in England, Neuseeland und Australien tätig. Nach seiner Rückkehr nach Europa trat er für kurze Zeit einem katholischen Orden als Priesterkandidat bei. Nach zehnjährigem Aufenthalt in Hamburg lebt Reinhart Lüddecke heute auf Sylt.

Spartacus International Gay Guide 2012/2013

Seit vielen Jahren ist der Spartacus International Gay Guide für viele schwule Männder ein treuer Reisebegleiter. Ganz egal, wo auf der Welt man(n) sich gerade befindet: Der Spartacus weiß mit hoher Wahrscheinlichkeit, wo sich die nächste Cruising-Zone, die nächste Gay-Bar, der schönste Strand oder das beste schwulenfreundliche Hotel befindet. Zudem wird die rechtliche und soziale Situation von Homosexuellen im jeweiligen Reiseland genauer beleuchtet. Auch die aktuelle Ausgabe 2012/2013 ist wie immer hervorragend recherchiert, auf dem neuesten Stand und somit für jeden schwulen Urlauber ein unverzichtbarer Reiseführer.

John Boyne – Das späte Geständnis des Tristan Sadler

Der irische Schriftsteller John Boyne wurde 1971 in Dublin geborden und feierte seinen internationalen Durchbruch mit dem Roman Der Junge im gestreiften Pyjama, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und sogar für das Kino verfilmt wurde. Nun ist sein neuer Roman “Das späte Geständnis des Tristan Sadler” erschienen.

Die Handlung spielt im September 1919 in London. Der junge Tristan Sadler steigt in einen Zug nach Norwich, um sich dort mit der Schwester seines gefallenen Kriegskameraden Will zu treffen. Er berichtet Ihr von den grausamen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg: Die erste Begegnung mit Will im Ausbildungslager, das Leben und Sterben im Grabenkampf, aber auch von der Freundschaft und dem Vertrauen, das sich die beiden jungen Männer schenkten. Der Leser ahnt schnell, dass die Zuneigung zwischen den beiden jungen Soldaten nicht nur Freundschaft, sondern Liebe war – und der Auslöser einer Tragödie.

John Boyne schildert in seinem Buch “Das späte Geständnis des Tristan Sadler” nicht nur schonungslos die ungeheuerlichen Schrecken des Krieges, sondern auch, wie Will versuchte, unter unmenschlichen Bedingungen einen Rest von Menschlichkeit zu bewahren.

Joachim Bartholomae (Hrsg.): Pauls Bücher: Tagebuch einer SM-Beziehung

Bei „Pauls Bücher: Tagebuch einer SM-Beziehung“ handelt es sich um die Zusammenfassung dreier Werke, die hier erstmals von Joachim Bartholomae zusammengefasst in einem Band erschienen sind. In Form eines Tagebuchs beschreiben hier zwei Männer den Versuch, Verantwortung und Selbstaufgabe als konkrete Verhaltensweisen in Sexualität und Alltag zu verwirklichen. So leisten die beiden Männer eine Art von Pionierarbeit bei der Erkundung einer Lebensweise, die noch immer einem Tabu unterliegt, und das Tagebuch ist als Protokoll ihrer Wünsche und Probleme integraler Bestandteil dieses Versuchs.

Der erste Band dieser dreiteiligen Tagebuchreihe, die ursprünglich nicht zur Veröffentlichung angedacht war, erschien bereits 1998. In den Tagebucheinträgen spiegeln sich die sich anbahnenden und entwickelnden SM-Beziehungen zwischen Paul, einem der Protagonisten und somit Co-Autor der Werke, und seinen Partnern wider. Sowohl Paul als auch seine Partner nutzten diese Form des Schriftwechsels, um sich besser kennen zu lernen und Geschehnisse zu reflektieren.

Der Männerschwarm Verlag hat mit „Pauls Bücher: Tagebuch einer SM-Beziehung“ in dieser überarbeiteten Neuausgabe die einstigen drei Bände zusammengefasst und in gestraffter Form neu veröffentlicht.
Bestand das ursprüngliche Format aus 190 Seiten je Band, so sind alle Schilderungen in der hier vorliegender Version auf insgesamt 367 Seiten zusammengefasst. Für Interessierte an Themen wie „Schwuler Liebe“ und „Sadomasochistische Beziehungen“ bietet dieses authentische Werk profunde Einblicke in die Realität eines SM-Alltags und erlaubt dem Leser, alle Höhen und Tiefen dieser Beziehungen hautnah mitzuerleben. Die Gefühle der Protagonisten stehen dabei im Mittelpunkt, was auch durch eine stilistische Mischung aus persönlicher und intimer Tagebuchform und einem eher sachlichen und beschreibenden Stil zum Ausdruck kommt.

Axel Krämer – Grenzen der Sehnsucht. Eine schwule Heimatkunde

Der Journalist Axel Krämer unternimmt in seinem Buch „Grenzen der Sehnsucht. Eine schwule Heimatkunde“ eine Bestandsaufnahme des schwulen Alltags in Deutschland. Er besucht die großen, deutschen Städte und klopft sie auf ihr schwules Leben dort ab. Aber auch durch kleine Dörfer und in die entlegenen Gebiete Deutschlands reist Krämer auf der Suche nach dem Schwulen in der Provinz. Seine Erfahrungen und Eindrücke hält Axel Krämer in zahlreichen Interviews und Essays fest, die er in diesem Buch versammelt hat.

Natürlich führt Krämers Reise ihn nach Köln, in die angebliche schwule Hauptstadt Deutschlands. Aber ist sie das wirklich? Und was ist mit Berlin, der Stadt die auch und gerade die Schwulen magisch anzieht? Auch den auf den ersten Blick so feinen Städten Hamburg und München fühlt Axel Krämer auf den Zahn, inwieweit es sich hier als Schwuler leben lässt und was die Szene dort zu bieten hat. Doch auch im nordöstlichen Brandenburg oder in der dünn besiedelten Eifel macht sich Axel Krämer auf die Suche nach dem schwulen Alltag. So wird „Grenzen der Sehnsucht“ in vollem Maße seinem Anspruch gerecht, eine schwule Heimatkunde zu liefern.

Ob Großstadt oder Provinz: Auf allen seinen Stationen sprach Axel Krämer mit den Männern dort über ihre Wünsche und Träume, über ihre persönlichen Erfahrungen damit, was es heute bedeutet, offen schwul zu leben. In zahlreichen Essays und Interviews ist es dem Autor gelungen, ein Porträt des schwulen Deutschlands festzuhalten. Axel Krämer wurde 1966 in Nürtingen geboren; heute lebt er in Berlin. Er arbeitet als freier Autor für zahlreiche renommierte Publikationen, u.a. für die Berliner „die tageszeitung“ (taz).

Lisa Kuppler (Hrsg.): Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten

In „Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten“ erzählen 14 Autorinnen und Autoren spannende, alltägliche und spektakuläre Geschichten aus Berlin, New York, München, Hollywood, Sidney und vielen anderen Städten. Dabei geht es schonungslos und mörderisch zu – denn in diesen Geschichten wird getötet und gestorben. Während sich eine Story um eine tödlich besitzergreifende lesbische Assistentin einer amerikanischen Starschauspielerin rankt, werden in einer anderen Erzählung in der Münchener City subtil Mieterinnen und Mieter ermordet, so dass die so begehrten Wohnungen an Freunde und Bekannte weiter gereicht werden können. In einer weiteren Geschichte muss eine Kommissarin in der schwulen S/M-Szene ermitteln, und für den sexuellen Kick fällt ein Schwuler nach dem anderen unter den Messerstichen zu Boden. Und dann wäre da noch die Hamburger Kommissarin, die bis in ein dänisches Frauenlandhaus rast und selbst dort das Ermitteln noch nicht lassen kann.

Lisa Kuppler ist eine erfahrene Herausgeberin, Lektorin und Übersetzerin und versammelt in „Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten“ das beste, was die queere Szene im Bereich zeitgenössischen Krimis zu bieten hat. Ob Mord durch Cunnilingus, Samenraub im Darkroom, schwule Serienkiller und lesbische Kommissarinnen oder schwangere Drag Kings und lesbenmordende Transsexuelle – diese Krimis schöpfen auf jeden Fall aus dem Vollen und schaffen eine feine Verbindung aus einer realistischen Spiegelung des queeren Alltags und reichhaltiger Phantasie. Einerseits sind sie so sehr nah den Lebenswirklichkeiten der Schwulen und Lesben, andererseits begeistern die Erzählungen durch faszinierende Figurenführung, eigenwillige Sprachstile und psychologischen Tiefgang, so dass auch anspruchsvolle Literaturliebhaber auf ihre Kosten kommen. Durch Lisa Kupplers exzellente herausgeberische Arbeit bildet „Queer Crime“ eine interessante Spannbreite lesbisch-schwuler Populärkultur ab.