Sebastian Benedict – Operation Fledermaus

Wer einen schwulen Krimi mit realistischer Handlung sucht, ist mit “Operation Fledermaus” gut beraten. Worum geht es? Die Geschichte dieses gelungenen Kriminalromans spielt im Vorstadt-Wien, genauer gesagt im Wiental von 1932. Der Dow Jones steht bei 48 Punkten, Hunderttausende sind arbeitslos. Es wird gestohlen, betrogen, unterschlagen, geraubt, gemordet und erpresst, um zu überleben. Als Lehrlinge und Schüler verschwinden, übt sich die Polizei in Beschwichtigungen. Selbst als einige der Jugendlichen tot aufgefunden werden, wird nicht ermittelt. Der Vater eines der Opfer will das nicht hinnehmen. Er beauftragt Ferdinand Nowak, einen Kaffeehaus-Detektiv ohne Büro und Konzession, den Tod seines Sohnes aufzuklären. Die Spur des Verbrechens führt Nowak in Cafés und Wirtshäuser der Halbwelt rund um den Naschmarkt, in elende Arbeiterquartiere und bürgerliche Vorstadtvillen, ins Polizeipräsidium, auf den Landsitz eines verrufenen Großindustriellen und in die Glitzerwelt der Operette. Die jungen Männer lockte offenbar das schnelle Geld für ihre körperlichen Reize. Doch deren Vermarktung im neuen Medium Film wurde ihnen zum Verhängnis. Gemeinsam mit einem väterlichen Freund, seinem jungen Geliebten und einem Burschen vom Theater gelingt es Nowak, den Todesfall aufzuklären und ein übles Netzwerk zu enttarnen.

Der Autor Sebastian Benedict wurde im Jahr 1944 in Wien geboren und scheint die Handlung seines Kriminalromans minuziös recherchiert zu haben. Als Leser taucht man nämlich unverzüglich in das damalige Wien ein.

Lisa Kuppler (Hrsg.): Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten

In „Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten“ erzählen 14 Autorinnen und Autoren spannende, alltägliche und spektakuläre Geschichten aus Berlin, New York, München, Hollywood, Sidney und vielen anderen Städten. Dabei geht es schonungslos und mörderisch zu – denn in diesen Geschichten wird getötet und gestorben. Während sich eine Story um eine tödlich besitzergreifende lesbische Assistentin einer amerikanischen Starschauspielerin rankt, werden in einer anderen Erzählung in der Münchener City subtil Mieterinnen und Mieter ermordet, so dass die so begehrten Wohnungen an Freunde und Bekannte weiter gereicht werden können. In einer weiteren Geschichte muss eine Kommissarin in der schwulen S/M-Szene ermitteln, und für den sexuellen Kick fällt ein Schwuler nach dem anderen unter den Messerstichen zu Boden. Und dann wäre da noch die Hamburger Kommissarin, die bis in ein dänisches Frauenlandhaus rast und selbst dort das Ermitteln noch nicht lassen kann.

Lisa Kuppler ist eine erfahrene Herausgeberin, Lektorin und Übersetzerin und versammelt in „Queer Crime: Lesbisch-schwule Krimigeschichten“ das beste, was die queere Szene im Bereich zeitgenössischen Krimis zu bieten hat. Ob Mord durch Cunnilingus, Samenraub im Darkroom, schwule Serienkiller und lesbische Kommissarinnen oder schwangere Drag Kings und lesbenmordende Transsexuelle – diese Krimis schöpfen auf jeden Fall aus dem Vollen und schaffen eine feine Verbindung aus einer realistischen Spiegelung des queeren Alltags und reichhaltiger Phantasie. Einerseits sind sie so sehr nah den Lebenswirklichkeiten der Schwulen und Lesben, andererseits begeistern die Erzählungen durch faszinierende Figurenführung, eigenwillige Sprachstile und psychologischen Tiefgang, so dass auch anspruchsvolle Literaturliebhaber auf ihre Kosten kommen. Durch Lisa Kupplers exzellente herausgeberische Arbeit bildet „Queer Crime“ eine interessante Spannbreite lesbisch-schwuler Populärkultur ab.