Martin M. Falken: Zusammenstöße

Hier in der westfälischen Provinz schneit es schon wieder – der Winter 2012/2013 scheint einfach kein Ende nehmen zu wollen. Andererseits bietet sich mir so die Gelegenheit, mir noch einige gemütliche Abende mit warmer Literatur vor dem heimischen Kamin zu machen. Besonders heiß geht es ja zumeist in Romanen über eine junge, schwule Liebe zu – und bildet “Zusammenstöße” des Autors Martin M. Falken keine Ausnahme.

Der Zehntklässler Marc verliebt sich nacheinem Zusammenstoß auf dem Fahrrad (daher der Titel des Buchs) in den etwas älteren Krankenpfleger David. Während Marc bisher glaubte, er könne gar keine Liebe verspüren, da er sich nicht zu Mädchen hingezogen fühlte, wird ihm mit einem Schlag klar, dass er auf Männer steht. Das Buch schildert, wie sich Marc gegenüber seiner Familie und in seinen engsten Freunden outet und dabei sowohl positive als auf negative Erfahrungen sammelt – um am Ende jedoch selbstbewusst zu seiner Homosexualität stehen zu können.

„Zusammenstöße“ ist im Himmelstürmer-Verlag erschienen und eines der Bücher, die dem Leser mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Klaus-Peter Grap – Flaatsch. Ich war mal prominent

Die sympathisch-böse Mediensatire Flaatsch von Schauspieler und Moderator Klaus-Peter Grap schildert in seinem Roman “Flaatsch. Ich war mal prominent” mit scharfer Zunge, aber auch mit viel Herz und Humor, das Scheitern des TV-Stars Peter Sander. Dieser ist ein erfolgreicher Fernsehmoderator und mit einer attraktiven Schauspielerin liiert. Doch dann wünscht Peter Sander vor einem Millionenpublikum versehentlich die Mutter der Nation zum Teufel und wird gefeuert. Und von nun an geht es mit seiner Karriere bergab – lediglich seine schwule Freundesclique lässt Peter die folgenden Ereignisse einigermaßen überstehen.

Das Buch “Flaatsch” von Klaus-Peter Grab beschreibt humorvoll, wie es hinter den Kulissen der Medienwelt zugeht, die gnadenlose Vernichtung durch Medien und stimmt trotz der Lockerheit nachdenklich. Der Roman sollte somit eine Pflichtlektüre für alle sein, die auf Biegen und Brechen berühmt sein wollen – nach der Lektüre des Romans ist man nämlich einfach nur noch froh, selbst nicht prominent zu sein! “Flaatsch” ist somit ein gelungener Roman, der der mediengeilen Casting-Show-Gesellschaft den Spiegel vorhält.

Lübeck: Leseabend im Günter-Grass-Haus

Heute mal ein Veranstaltungshinweis – und zur Abwechslung geht es nicht um schwule, sondern um lesbische Literatur: Im Rahmen des CSD Lübeck findet am 14. August ein Leseabend im Günter-Grass-Haus statt. Die Schriftstellerin Stefanie Zesewitz liest an dem Abend aus ihrem ersten Roman “Der Duft der Seide”. Das Buch erzählt von einer Frauenliebe im viktorianischen England. Stefanie Zesewitz webt historische Figuren wie die Schwestern Brontë in die Romanhandlung ein, um eine Epoche aufleben zulassen, die für ihr strenges und prüdes Frauenbild bekannt ist. Die Lesung beginnt um 21 Uhr.

Adresse:
Günter-Grass-Haus
Glockengießerstraße 21
Lübeck

Reinaldo Arenas: Bevor es Nacht wird: Ein Leben in Havanna

„Bevor es Nacht wird: Ein Leben in Havanna“ ist die packende Autobiographie des schwulen, oppositionellen Dichters Reinaldo Arenas in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Reinaldo Arenas, Autor vieler renommierter Werke und ein international geschätzter Schriftsteller, schreibt sich hier seinen Frust von der Seele. Nachdem sich Arenas geweigert hatte, als Hymnenschreiber für den kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro zu arbeiten, hätte alleine diese Tatsache schon gereicht, um ein schweres Leben auf der Insel Kuba zu haben. Doch Arenas Weigerung, seine Homosexualität zu verbergen, bringt das Regime vollends gegen ihn auf. So wird er vor allem verfolgt, weil er die Unverschämtheit besitzt, seine Homosexualität übermütig und ungezügelt auszuleben – ein absoluter Tabubruch in Kuba. Als Reinaldo Arenas dieses Buch begann, konnte er nur in den Bäumen des Leninparks in Havanna ungestört schreiben – bevor es Nacht wurde.

Doch war dies nur eine der letzten der vielen Hürden, die Arenas im Laufe seines Lebens zu überwinden hatte. Sein Versuch, schwimmend eine amerikanische Militärbasis zu erreichen, scheitert: »Der Freund der mir die Shorts besorgt hatte, versteckte mich in einer der Kabinen am Strand und ging zu meinem Haus, das jetzt von Polizisten mit Hunden bewacht wurde. Er sagte, ich solle schnell ins Meer springen und mich hinter einer Boje verstecken, da würden mich die Hunde nicht aufspüren.« Es folgen Gefängnis, Verhöre durch die Staatssicherheit und erneute Gefängnisaufenthalte.

Regiesseur Julian Schnabel hat diese Lebensgeschichte des Schriftstellers Reinaldo Arenas mit den Schauspielern Javier Bardem und Johnny Depp verfilmt und dafür auf der Biennale von Venedig 2000 den Großen Preis der Jury erhalten.

Sami Hilvo – Die Schnapskarte

Die Liebe zwischen zwei Männern, die in diesem Roman des finnischen Autors Sami Hilvo beschrieben wird, ist wild und wunderschön.

Die Schnapskarte spielt zu der Zeit, in welcher der Zweite Weltkrieg Finnland erreicht. Die beiden Jungs Urho und Toivo sind zu diesem Zeitpunkt frisch verliebt und gemeinsam beim Militär. Trotz des des Infernos verbringen die beiden eine idyllische Zeit. Doch dann passiert etwas Grausames: Toivo wird im Krieg verwundet und kehrt in seine Heimat zurück. Hier heiratet er eine Frau, wird von dieser jedoch verlassen, als seine Verletzungen ihn zum Krüppel machen. Sein Ex-Freund Urho heiratet ebenfalls eine Frau, übersteht die Ehe jedoch nur unter Alkoholeinfluss. Als sein ehemaliger Liebhaber Toivo stirbt, bricht für ihn eine Welt zusammen.

Erst viele Jahre später entdeckt sein Enkel Mikael – der ebenfalls schwul ist – die Tagebücher, in denen Urho die Geschichte von Liebe, Krieg und Elend aufgeschrieben hat. Im Gegensatz zu seinem Großvater verläuft Mikaels leben jedoch recht langweilig. Mikael schmökert den ganzen Sommer in den Tagebüchern, während er gleichzeitg den Garten seiner Großeltern wieder auf Vordermann bringt. Sami Hilvo erzält ohne viel Schnickschnack eine berührende Geschichte einer Männerliebe, und so steuert sein Buch Die Schnapskarte auf ein sehr poetisches Ende zu.